Der Fall Fabian: Gina H.s Einlassung und die Widersprüche (Teil 2)
Shownotes
Am 24. August 2026 hat sich Gina H. ausführlich zum Tatvorwurf eingelassen. Seit dem 10. September 2026 beantwortet sie Fragen des Gerichts. Wir vergleichen ihre Angaben miteinander und mit dem bisherigen Beweisergebnis: Warum war ihr Handy ausgerechnet in einem für die Ermittlungen wichtigen Zeitraum ausgeschaltet? Wo befand sie sich tatsächlich? Wie erklärt sie die Blutspur Fabians in ihrem Fahrzeug? Woher stammte ihr Wissen über bestimmte Umstände? Und wie gut kannte sie die Gegend um den späteren Fundort wirklich?
Dabei geht es nicht nur darum, wo Widersprüche liegen, sondern vor allem um ihre rechtliche Bedeutung. Außerdem beschäftigen wir uns mit drei jungen Zeugen, die Fabian am Tattag noch gesehen haben wollen, mit Fabians Vater und damit, welches Bild Zeugen und JVA-Vermerke von Gina H. zeichnen.
Das erwartet euch in Teil 2:
- Wann kann eine zunächst entlastend gedachte Erklärung das belastende Indizienbild sogar verstärken?
- Wie bewertet ein Gericht die Aussagen von Kindern?
- Welche Bedeutung hat die Persönlichkeit einer Angeklagten für die Schuldfrage?
- Welche Rolle spielt Fabians Vater im bisherigen Verfahren?
- Wie entsteht aus vielen einzelnen Indizien eine richterliche Überzeugung?
Hinweis: Das Strafverfahren ist zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Folge noch nicht abgeschlossen. Gina H. ist nicht rechtskräftig verurteilt. Für sie gilt die Unschuldsvermutung. Unsere Darstellung beruht auf der öffentlich zugänglichen Berichterstattung über das laufende Verfahren und ersetzt insbesondere nicht die unmittelbare Beweisaufnahme vor dem Landgericht Rostock.
Ihr habt Fragen zur Folge, möchtet uns eure Gedanken zum Fall mitteilen oder habt Anregungen für kommende Folgen? Dann schreibt uns gerne. Ihr findet uns auf Instagram unter @hinterderrobe oder erreicht uns per E-Mail unter hinterderrobe@gmail.com. Wir freuen uns auf eure Nachrichten und den Austausch mit euch.
Musik: Harald Bauch von der Heyde, big [arts]
Transkript anzeigen
00:00:00: Der achtjährige Fabian aus Güstrow verschwindet am zehnten Oktober zwei-tausendfünfundzwanzig.
00:00:05: Wenige Tage später wird seine Leiche bei Kleinupal gefunden.
00:00:09: Angeklagt ist Gina Ha, die ehemalige Partnerin seines Vaters.
00:00:13: Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, Fabian getötet zu haben.
00:00:17: Inzwischen hat Gina Ha ausführlich geschildert wie die Tage rund um Fabians Verschwinden und sein Tod aus ihrer Sicht abgelaufen sein sollen – und seitdem wird im Strafprozess um jedes Detail gerungen!
00:00:48: Herzlich willkommen zu Hinter der Robe des Justiz-Podcasts und zu Teil zwei unseres Fals über den Tod des achtjährigen Fabian aus Güstro.
00:00:55: Mein Name ist Sascha, ich bin Richter am Landgericht
00:00:57: Und mein Name ist Victoria.
00:00:59: Ich bin Rechtspflegerin.
00:01:00: Ja, heute vergleichen wir Gina Haas Einlassung vom vierundzwanzigsten August zwei tausendsechsunzwanziger mit den Angaben die sie seit dem zehnten September zweitausend sechsun zwanzig auf die Fragen des Gerichts macht und schauen uns an welche Widersprüche sich dabei ergeben.
00:01:15: Außerdem geht es um ihre Persönlichkeit, um das Auftreten von Fabiens Vater und um die drei Kinder, die als Zeugen ausgesagt haben, Fabien am Tartag noch gesehen haben zu wollen.
00:01:25: Außerdem sprechen wir darüber, wie solche Widersprüche und Indizien ausrichterlicher sich bewertet werden.
00:01:30: Und Sascha gibt uns Einblicke aus seiner eigenen Praxiserfahrung, wie es sich anfühlt über die Freiheit eines Menschen zu entscheiden oder welche Verantwortung mit solchen Verfahren verbunden
00:01:40: sind.".
00:01:40: Dann nehmen wir uns jetzt einmal Schritt für Schritt Dina Haas Einlassung vom April, August und September vor und vergleichen diese mit ihren Angaben am September, September oder sonstigen Beweismitteln.
00:01:54: Und wir fangen mit der Frage an warum sie am Vormittag des October, September im Tattag überhaupt nach Gistru gefahren sein will?
00:02:04: Am vierundzwanzigsten August-Zweißen-Sächsen-Zwanzig erzählt Gina Ha im Rahmen ihrer Einlassung dem Gericht noch, ihre Oma habe sie gebeten für Sie Bankgeschäfte bei der VR-Bank in Güstro zu erledigen.
00:02:16: Sie fährt also nach GüstRO weil Ihre Oma etwas von ihr möchte.
00:02:20: und dann wird Gina Ha am zehnten September-Zwei-Tausend-Sechsen-Szechs mit einer eigenen älteren Aussage aus Dezember-Zwoißenzehn-Fünfundzwanzigh konfrontiert.
00:02:29: Und plötzlich gibt es für diese Fahrt einen ganz anderen Grund.
00:02:33: Was hat das Gericht Gina Haar davor gespielt?
00:02:36: Eine Aufnahme von einem Haftbesuch von Matthias Er, also dem Vater von Fabian.
00:02:40: Und zwar vom Elfen Dezember zwei Tausendfünfundzwanzig.
00:02:43: und darauf hört man Gina Har selbst sagen Ich habe Oma gesagt ich muss in Güstrow etwas erledigen.
00:02:51: Wenn man jetzt beide Aussagen unmittelbar hintereinander hört Merkt man den Widerspruch.
00:02:55: Am April, August die Oma Habe Gina Haa gebeten für sie die Bankgeschäfte zu erledigen und in der Aufnahme aus Dezember, Klingels dagegen so als Habe Gina Haa ihrer Oma gesagt sie müsse in Gustro etwas erledigend.
00:03:11: das Gericht spricht sich genau darauf an.
00:03:14: wie reagiert Gina Haaa?
00:03:15: sichtbar genervt und verdreht die Augen
00:03:17: Bevor wir das weiter besprechen, einmal kurz dazwischen eine Frage.
00:03:22: Wie ist es eigentlich möglich dass ein Gespräch zwischen Gina H und Matthias R bei einem Besuch in der Untersuchungshaft aufgezeichnet werden darf?
00:03:29: Also in der Untersuchungsaft können Kontakte nach außen deutlich stärker kontrolliert werden als in der normalen Strafhaft.
00:03:37: Besucher können überwacht werden, genauso kann aber auch die Telekommunikation kontrolliert wird.
00:03:42: Hintergrund ist dass das laufende Verfahren geschützt werden soll – etwa vor Flucht, Verdunklung oder der Gefahr weitere Straftaten.
00:03:51: Wenn ein Besuch überwagt wird, kann es je nach konkrete Anordnung so weit gehen, dass das Gespräch aufgezeichnet?
00:03:59: oder jedenfalls inhaltlich dokumentiert wird.
00:04:01: Und wenn dabei Äußerungen fallen, die für das Verfahren relevant sind können sie später auch in der Haupthandlung eine Rolle spielen.
00:04:09: Was genau in diesem Fall die Grundlage der Überwachung war kann ich ohne die entsprechende Anordnung und ohne die Akte natürlich nicht sicher sagen.
00:04:17: Denkbar ist bei einem solchen Indizienverfahren aber vor allem die Sorge dass auf andere Beteiligte mögliche Zeugen Einfluss genommen wird, und zwar durch Gina H. Hier etwa auch auf Fabiens Vater wenn mit ihm über den Tatvorwurf oder über bestimmte Abläufe gesprochen wird.
00:04:40: Genauso kann es darum gehen zu verhindern das Beweismittel beiseite geschafft, versteckt Informationen darüber weitergegeben werden.
00:04:49: Wenn zum Beispiel ein wesentliches Beweismittel, hier zum Beispiel die mögliche Tatwaffe noch nicht gefunden ist wäre es natürlich besonders relevant ob eine beschuldigte oder jetzt hier angeklagte Person mit jemandem darüber spricht wo sich so etwas befinden könnte oder was damit geschehen soll.
00:05:08: das ist ausdrücklich nur allgemein gesprochen und nicht die Behauptung dass es hier im konkreten Fall genauso gewesen ist.
00:05:15: Aber genau solche Risiken können erklären, warum Kontakte in Untersuchungshaft in einem laufenden schweren Strafverfahren besonders eng überwacht werden.
00:05:23: Und deshalb ist es wahrscheinlich auch wichtig, untersuchungshaft und strafhaft auseinanderzuhalten.
00:05:28: Wer bereits rechtskräftig verurteilt ist und seine Strafe verbüsst darf natürlich ebenfalls Kontakte nach außen haben.
00:05:36: beim Untersuchungsaft gefangenen läuft das Verfahren aber noch.
00:05:39: die Beweisaufnahme ist nicht abgeschlossen.
00:05:42: Würde man dort sämtliche Kontakte völlig unkontrolliert zulassen, könnte der Zweck der Untersuchungshaft teilweise unterlaufen werden.
00:05:49: Etwa wenn Zeugen beeinflusst, Aussagen abgestimmt oder wie du es gerade gesagt hast noch nicht gesicherte Beweismittel beiseite geschafft werden könnten.
00:05:58: Deshalb können die Kontakte nach außen in der Untersuchshaft wesentlich stärker beschränkt und überwacht
00:06:04: werden.".
00:06:04: So ist das!
00:06:05: Aber kommen wir auf die Aufnahme von Dezember twenty-fünfundzwanzig zurück.
00:06:10: Diese Aufnahme deckt dann noch einen weiteren Widerspruch auf.
00:06:13: Gina H erzählt darin auch, sie sei – nachdem Sie in Guistro war – wieder nach Hause gefahren.
00:06:19: Ihre Einlassung vom vierundzwannzeigsten August zweitausendsechsenzwanziger weicht an dieser Stelle aber von dieser Version ab.
00:06:27: In Ihrer Einlassungen beschreibt Gina Ha nämlich ziemlich ausführlich ihren Gemütszustand Sie sei an diesem Tag, also am Tattag sehr durcheinander um gestresst gewesen habe eine Unruhe verspürt und sich darüber klar werden wollen was sie eigentlich möchte.
00:06:42: Gemeint war damit die Beziehung beziehungsweise das Verhältnis zu Fabiens Vater.
00:06:47: deshalb habe sie einen längeren Spaziergang machen wollen.
00:06:50: Wir haben also wieder zwei Versionen.
00:06:52: In der früheren Aufnahme aus Dezember-Zweißundfünfundzwanzig sagt sie, Sie sei – nachdem sie in Güstru war – nach Hause gefahren.
00:06:59: In ihrer Einlassung erzählt sie von dieser Unruhe und davon anschließend losgefahren zu sein um einen längeren Spaziergang zu
00:07:06: machen.".
00:07:08: Bleiben wir erst einmal insoweit bei der Version, die Gina H in ihrer Einlassung, also der Spaziergang geschildert hat.
00:07:14: Denn auf dem Weg zu diesem Spazieregang soll dann etwas passiert sein, dass bei den Nachfragen am zehnten September, auch eine wichtige Rolle spielen wird.
00:07:23: Gina H erzählt nämlich, dass sie während der Fahrt in ihr Pop-Manee, das sich im Fußraum ihres Fahrzeugs befand, geschaut und dabei bemerkt habe ihre EC Karte fehlt.
00:07:34: Sie vermutet, Satteltasche auf dem Hof zurückgelassen hat.
00:07:41: Zurückgefahren sei sie deshalb aber nichts, sie habe sich nämlich keine großen Sorgen gemacht.
00:07:46: schließlich sei bei ihr noch nie jemand auf dem hof gewesen.
00:07:50: So weit kann man sich die Szene also ziemlich konkret vorstellen.
00:07:52: Gina H ist unterwegs das Pop Mané ist bei ihr Sie schaut hinein Die EC Karte fehlt und trotzdem fährt sie weiter.
00:08:01: Genau dieses kleine Detail wird am zehnten September zum Problem, denn da sagt Gina H plötzlich ich habe mein Pop Manee vergessen.
00:08:11: Und das ist natürlich widersprüchlich!
00:08:12: Denn wenn ich mein Pop manee zu Hause vergessen habe kann ich unter wem schlecht hineinschauen und feststellen dass nur meine EC Karte fehlt.
00:08:20: In ihrer Version vom vierundzwanzigsten August hat Gina Haar das Pop Mane also dabei und in der vom zehten September liegt es zuhause.
00:08:30: Und eigentlich könnte man es bei diesem Widerspruch belassen.
00:08:33: Wenn es nicht noch eine Aufnahme von diesem Tag gebe, auf der ausgerechnet dieses Popmanee wieder auftaucht und zwar am Nachmittag des Tataks holt Gina Ha ihren Sohn von der Schule ab und fährt mit ihm in einen Supermarkt – mit ihrem Popmanehe in der Hand!
00:08:48: Das ist auch die Kameraaufnahme zu sehen.
00:08:50: Das Gericht will deshalb von ihr wissen wie das Popmanie am Nachtmittag in ihre Hand kommt.
00:08:55: wenn sie dieses am Morgen des Tatak zu Hause vergessen haben will….
00:08:58: und Gina Haar?
00:08:59: darauf eine ganz einfache Antwort, weil ich zu Hause war.
00:09:03: Das sei gegen fünfzehn Uhr gewesen – sie habe ihr Pop-Manier geholt und sei dann gleich weitergefahren.
00:09:09: Nur damit entsteht direkt der nächste Widerspruch, denn kurz zuvor hatte das Gericht mit ihr noch ihren Fahrtweg rekonstruiert und Dadel Gina Haare gerade nicht erzählt dass sie zwischenzeitlich noch einmal zuhause gewesen sei.
00:09:21: Darauf angesprochen sagt Gina Haa, dass er sich doch nicht jedes einzelne Detail merken
00:09:25: könne.".
00:09:26: Ja, und auch der Ort ihres Spaziergangs ist interessant.
00:09:29: Denn den beschreibt sie am vierundzwanzigsten August-Zweißen-Sächsen-Zwanzig erstaunlich unbestimmt!
00:09:34: Sie sagt lediglich ich bin in irgendein Waldgebiet reingefahren – und am zehnten September-Zwoißn-Sechsen-Sich.
00:09:41: kann sie diesen Ort dann plötzlich wesentlich genauer einordnen?
00:09:45: Genau bei den Nachfragen des Gerichts wird aus irgendeinen Waldgebieten etwas wesentlich Konketeres.
00:09:51: Jetzt sagt China Haar, sie sei nach ihrem Aufenthalt in Güstro zum Tierheil-Praktiker gefahren.
00:09:57: Allerdings habe sie ihr Auto nicht auf dessen Parkplatz abgestellt sondern auf einem Waldweg.
00:10:01: Und da liegt natürlich die Frage nahe warum taucht dieser konkrete Zusammenhang in einer furmonautiseitigen Einlastung überhaupt nicht auf?
00:10:08: Gerade wenn man einen Vormittag sehr ausführlich rekonstruiert und erklären möchte wo man gewesen ist wäre das eigentlich kein völlig nehmensächliches Detail.
00:10:17: Das Gericht hält Ihr genau das vor!
00:10:19: Gina H verweist auf ihre Einlassungen und sagt sinngemäß, ich habe das hier nicht mit reingeschrieben.
00:10:24: Für sie habe diese Tatsache keine Rolle
00:10:25: gespielt.".
00:10:26: Und genau dadurch wird dieser Punkt eher noch auffälliger – denn aus einem zunächst völlig unbestimmten Weitgebiet wird auf Nachfrage ein konkreter Weitweg bei einem konkreten Ziel.
00:10:37: Das muss noch nichts Belastendes bedeuten aber es ist wieder eine Stelle an der Ihre spätere Erklärung deutlich präziser wird als Ihre ursprüngliche Darstellung.
00:10:46: Das Gericht wird sich fragen müssen, warum.
00:11:14: Zunächst passen die Daten sogar zu einem Treffen.
00:11:17: Zwischen ungefähr dreizehn Uhr fünf und dreizehn Uhr zwanzig gibt es auf beiden Handys keine Aktivität.
00:11:23: Christian D., der als Teuge ausgesagt hat, sagt, die Handys seien während dieser Zeit im Auto geblieben.
00:11:29: Und schon da widerspricht ihn nach halbem Gericht ziemlich vehement – sie ruft das ist Quatsch!
00:11:33: Christian D. habe sein Privat und seinen Diensthandy mit zum See genommen.
00:11:37: Aber richtig interessant wird es erst ab drei Uhr zwanzig, denn ab diesem Zeitpunkt zeigen Gina Haas Bewegungsdaten wie der Autofahrten.
00:11:45: Und nach der Anklage soll sie in diesen Zeitraum erneut zu dem Tümpel gefahren sein an dem später Fabians Leiche gefunden wurde um nämlich die Leiche dort anzuzünden.
00:11:54: Gina Haa widerspricht sofort – das kann nicht sein!
00:11:57: Ich bin da mit dem Hund gelaufen und jetzt stehen zwei völlig unterschiedliche Bilder dieses Nachmittags nebeneinander.
00:12:03: Gina Ha bleibt dabei, dass dieses Treffen mit Christian D. bis mindestens vierzehn Uhr viertzig gedauert habe.
00:12:09: Sie sei sich extrem sicher!
00:12:10: Sie sagt Zitat ich war zu tausend Prozent.
00:12:13: Ich schwöre da drauf das ich am See gewesen bin.
00:12:17: Und dann kommt noch ein Detail hinzu Dass diese Darstellung zumindest erklärungsbedürftig macht Denn während dieses angeblich längeren Treffens soll Gina Ha Matthias er geschrieben haben Das sie ihn nicht verlieren wolle.
00:12:30: Sie sitzt nach ihrer eigenen Darstellung, also gerade mit Christian D. Ambolze ausgerechnet mit dem Mann der ihr von dieser Beziehung abgeraten haben soll und schreibt gleichzeitig Matthias R., dass sie ihn nicht verlieren
00:12:43: wolle.".
00:12:44: Also wieder eine Erklärung von Gina H., die einem objektiven Beweismittel, den Handydatner widerspricht?
00:12:51: Zum Thema Handy.
00:12:53: Dieses ist an diesem zehnten Oktober, im Jahr twenty-fünfundzwanzig überhaupt ein ziemlich wichtiges Puzzleteil denn wenn wir die digitale Spur ein paar Stunden zurück verfolgen stoßen wir auf etwas das wir schon aus Teil eins kennen am Vormittag verschwindet Gina Haas Handy für ungefähr eineinhalb Stunden komplett vom Netz.
00:13:11: es ist ausgeschaltet und gerade dieser Zeitraum ist so brisant weil die Staatsanwaltschaft davon ausgeht dass Fabian in dieserzeit getötet worden sein könnte.
00:13:21: Am vierundzwanzigsten August, zwei Tausendsechs und zwanzig erklärt Gina Hahn ihre Einlassung aber warum ihr Handy aus gewesen sei.
00:13:29: Sie habe ihre Ruhe haben und nachdenken wollen.
00:13:32: Gleichzeitig sei sie sauer auf Christian D. gewesen – sie habe ihm kurz zuvor ein Foto geschickt und von ihm keine Antwort
00:13:39: bekommen.".
00:13:40: Und bei den Nachfragen des Gerichts zeigt sich allerdings dass genau diese Erklärungen nicht so recht zum tatsächlichen Nachrichtenverlauf passt!
00:13:48: Das stimmt, denn Christian D. hatte auf dieses Foto sehr wohl geantwortet und zwar nach gerade einmal neunzig Sekunden!
00:13:54: Das erfährt Gina Hall allerdings nicht sofort – das Gericht fragt sie zunächst ob Sie überhaupt wissen was Christian D auf das Foto geantwortete?
00:14:01: Sie sagt das wüsste sie nicht, schließlich sei ihr Handy zu diesem Zeitpunkt ausgeschaltet gewesen… Und dann hält das Gerich ihr den tatsächlichen Nachrichtenverlauf vor.
00:14:10: Neunzig sekunden!
00:14:12: Sie hatten gar keine Zeit sauer zu sein.
00:14:19: Und plötzlich bleibt Gina Haar nicht bei ihrer ursprünglichen Erklärung, sondern sagt selbst – das sei nicht der Grund gewesen!
00:14:26: Damit steht aber ihre Einlassung vom April-Augusts-Augs im Raum.
00:14:31: Denn dort hatte sie den Ärger darüber dass Christian D nicht auf ihr Foto reagiert habe ausdrücklich als ein Grund dafür genannt warum sie ihr Handy ausgeschaltet.
00:14:41: Und plötzlich fehlt damit ausgerechter für diesen Zeitraum ein Teil ihrer eigenen Erklärung.
00:14:46: Für jene eineinhalb Stunden, die für die Staatsanwaltschaft im angenommenen Tatablauf eine ganz besondere Bedeutung
00:14:52: haben.".
00:14:53: Wenn ich aber mein Handy ausschalte und damit nicht mehr erreichbar bin, woher weiß ich dann überhaupt wann und wo dieses Treffen stattfinden soll.
00:15:17: Und ab diesem Moment kippt dann auch die Stimmung.
00:15:20: Gina Ha wird aufgebracht – sie sagt Zitat «woher sollte ich wissen dass Fabian verschwunden ist?
00:15:26: Ich habe damit nichts zu tun!
00:15:28: Ich hab keinen Grund dem armen Jungen etwas anzutun».
00:15:31: Wenn Sie es genau nehmen hätte ich Matthias was antun müssen… Hab' ich aber
00:15:34: nicht.".
00:15:35: Ich finde es auffällig, als Gina Haar sagt sie habe mit dem Tod von Fabian nichts zu tun weil das Gericht in diesem Moment eigentlich nur ihre Erklärung für das ausgeschaltete Handy überprüft.
00:15:45: Sie merkt offenbar selbst in welche Richtung diese Nachfragen gehen.
00:15:49: Das Gericht sagt ja nicht du hast Fabian etwas angetan.
00:15:52: Es zeigt ihr nur dass die von ihr genannte Begründungen für das Ausgeschaltte Handy nicht zum tatsächlichen Nachrichtenverlauf passt Und ihre Reaktion ist da nicht nur ok, dann habe ich mich bei dem Grund geirrt sondern sie springt sofort auf die größere Ebene.
00:16:08: Ich habe damit nichts zu tun.
00:16:09: Das kann natürlich einfach eine spontane Verteidigungsreaktion sein aber es zeigt zumindest das Gina H versteht warum dieser Zeitraum und dieses ausgeschaltete Handy für das Gericht so wichtig sind.
00:16:23: Ja, dann lass uns zu einem Punkt übergehen der schon in Teil eins ziemlich auffällig war.
00:16:28: Gina Haas Suchverlauf am Morgen nach Fabians verschwinden.
00:16:31: Am elften Oktober zwanzundsechzig googled sie Fressen Wildschweine Tote Menschen.
00:16:37: In ihrer Einlassung erklärt Sie dazu dass sie am Abend zuvor mit Christian D telefoniert habe.
00:16:43: Die beiden hätten darüber gesprochen was passieren könnte wenn Fabian irgendwo tot liege.
00:16:48: Auf die Idee mit den wild Schweinen sei Christian D gekommen Am zehnten September, es fragte das Gericht deshalb noch einmal ganz konkret nach.
00:16:57: Wenn Christian D ihr schon erklärt hatte dass Schweine alles Fresser sind?
00:17:01: Warum googeln sie das am nächsten Morgen nochmal selbst?
00:17:04: Und Gina Haar antwortete darauf weil ich ihm das nicht glauben konnte!
00:17:08: Der Richter hakte aber an einer anderen Stelle nach, denn Fabien war in Gestro verschwunden.
00:17:13: also stellt sich auch die Frage warum denkt man in diesem Zusammenhang überhaupt an Wildschweine und daran was mit eine Leiche passieren könnte?
00:17:20: Und dann kommt noch etwas dazu, dass diesen Punkt eigentlich erst richtig interessant macht.
00:17:26: Denn in der Haft hatte Gina H für genau diese Google-Suche offenbar eine völlig andere Erklärung.
00:17:32: Gegenüber Matthias Ehr soll sie nämlich behauptet haben jemand habe ihr Handy gehackt oder Matthias R selbst habe die Suche vorgenommen?
00:17:41: Das heißt wir haben hier nicht nur die Frage warum Sie überhaupt nach fressen Wildschweine tote Menschen gesucht hat, sondern auch zwei völlig unterschiedliche Erklärungen dafür wie diese Suche auf ihr Handy gekommen sein soll.
00:17:52: Einmal sagt sie ich habe selbst gesucht weil ich Christian D. nicht geglaubt habe und in der Haft heißt es noch gleich weich das gar nichts.
00:18:00: vielleicht wurde mein Handy gehackt oder Matthias er hat gesucht.
00:18:04: Und genau diesen Widerspruch hält dir das Gericht am zehnten September im Jahr vor.
00:18:09: Nur kann Gina H ihn nicht auflösen.
00:18:11: Und dann geht es noch um eine Nachricht, die Gina Hahn auch am Abend des zehnten Oktober, also am Tag von Fabians Verschwinden verschickt hat.
00:18:20: Um einundzwanzig Uhr vierzehn schreibt sie einem Stefan S., Fabian sei an diesem Tag mit Bauchschmerzen zu Hause gewesen.
00:18:28: Das ist deshalb interessant, weil Gina Ha in ihrer Einlassung ausdrücklich gesagt hatte sie habe gar nicht gewusst dass Fabian an diesem Tag krank zu Hause geblieben war.
00:18:37: Und trotzdem nennt sie am Abend seines Verschwinden sogar einen konkreten Grund nämlich die Bauchschmerzen.
00:18:43: Also will das Gericht von Gina Ha wissen woher sie diese Information hatte?
00:18:47: Bei dieser Nachfrage verändert sich ihre Erklärung gleich mehrfach.
00:18:51: Zunächst nach Gina Ha.
00:18:52: Matthias Ehr also der Vater von Fabian hab ihr ja von den Bauchsschmerzen erzählt Die beiden hätten telefoniert.
00:18:59: Und dann schaut das Gericht sich die Handydaten an.
00:19:01: Vor einundzwanzigundvierzig findet sich dort aber kein entsprechendes Telefonat.
00:19:06: Daraufhin sagt Gina H., Das Gespräch sei über WhatsApp gelaufen.
00:19:10: Aber auch dafür finden sie nach dem Vorhalt des Gerichts keinen entsprechenden Daten.
00:19:14: und außerdem hat der Matthias eher ihr zwei geschrieben, dass Fabien krank zu Hause geblieben sei.
00:19:19: von Bauchschmerzen stand in dieser Nachricht nichts.
00:19:22: Dann kommt eine dritte Erklärung.
00:19:24: Nun soll sie die Information aus einer Story von Rafaela, also einer Freundin von Fabians Mutter gehabt haben.
00:19:30: Das Spannende ist hier also weniger jede einzelne Antwort?
00:19:34: Entscheidend ist vielmehr die Bewegung!
00:19:36: Das Gericht fragt nach der Quelle eines Wissens das Gina H am Abend des Verschwintens bereits hatte und je weiter es nachfragt desto häufiger verändert sich die Erklärungen dafür woher dieses Wissen stammen soll.
00:19:48: Auf diese Story kommen wir gleich noch einmal zu sprechen.
00:19:51: Bis hierhin ging es immer wieder darum, was Gina Haar an diesem Tag wusste und woher dieses Wissen kam.
00:19:57: Jetzt geht es um etwas viel Greifbares – nämlich die Blutspur von Fabian in Gina Haars Auto.
00:20:03: Gefunden wird sie auf einer Küchenrolle.
00:20:06: Gina Haar erklärt es in ihrer Einlassung mit einem Badetag im August, so rund zwei Monate vor Fabiens verschwinden.
00:20:14: Sie sei mit ihrem Sohn und Fabien an einem See gewesen.
00:20:17: Fabian habe sich dort an einer Muschel- oder Glasscherbe am Fuß beziehungsweise an einem Zeh verletzt.
00:20:22: Gina Haare haben die Wunde versorgt ein Pflaster darauf geklebt und Fabian sei danach sogar wieder ins Wasser gegangen.
00:20:29: Als das Pflasterspäter nass gewesen sei, habe sie die Wunden noch einmal trocken gemacht sagt Gina Ha, sei Fabians Blut auf diese Küchenrolle gekommen.
00:20:40: Und am zehnten September zwanzigundzwanzig will das Gericht diesen Ablauf dann ziemlich genau verstehen!
00:20:45: Denn Gina Ha beschreibt ein Detail, dass ungewöhnlich klingt – sie will nicht einfach einen Platt von der Küchen Rolle abgerissen haben, stattdessen habe sie die komplette Rolle genommen an Fabians blutenden Fuß gehalten und sie danach wieder zurückgelegt.
00:20:57: Das Gericht fragt mehrfach nach warum Sie ausgerechnet die ganze Rolle benutzt habe.
00:21:02: Eine wirkliche Erklärung dafür kann Gina Ha aber nicht geben
00:21:05: Und wenn wir schon bei der Blutspur im Auto sind, kommen wir auch zu der nächsten Frage.
00:21:09: Nämlich was ist mit diesem Auto eigentlich nach dem zehnten Oktober, den Wagen am Tartag gereinigt zu haben?
00:21:20: Sie sagt sie habe ihn lediglich mit einer Pferdebürste ausgefegt und Christian D davon sogar ein Foto geschickt weil er diese vorher damit immer aufgezogen hatte.
00:21:30: Nur hatte sie vier Tage später noch etwas anderes erzählt.
00:21:34: Und genau darauf spricht das Gericht sie am zehnten September, zwanzig an.
00:21:39: In ihrer polizeilichen Vernehmung hatte Gina Haar nämlich angegeben ihr Auto nicht gereicht zu haben.
00:21:45: Auf den Vorhalt am zehnten September, zweitausendzehntzig bestreitet sie den Widerspruch auch gar nichts.
00:21:50: Spannend wird es dann aber bei der Frage warum sie überhaupt etwas Falsches dazu erzählt hat?
00:21:55: Denn das Gerich hält ihr vor dass sie in einer polizeilichen Verneemungen offenbar niemand nach der Reinigung gefragt habe.
00:22:02: Vielmehr hat Gina Haar das Thema gegenüber der Polizei von sich aus angesprochen.
00:22:06: Daraufhin versucht sie zu erklären, Sie sei schon vorher also am Tümpel nach dem Auto gefragt worden.
00:22:12: Das Gericht geht auch demnach aber am Ende bleibt die zentrale Frage dieselbe.
00:22:17: Warum erzählt sie der Polizei vom sich aus, dass Autoseinig gereinigt wurde wenn sie weiß, dass sie es tatsächlich ausgefegt hatte?
00:22:25: Und darauf kann Gina Haare keine schlüssige Antwort geben!
00:22:28: Ja, und damit verlassen wir den Tartag erst einmal.
00:22:31: Denn drei Tage später am threizenten
00:22:33: Oktober-Zwz.,
00:22:35: passiert etwas das für den gesamten Fall noch eine zentrale Rolle spielen wird.
00:22:40: Gina H fährt gemeinsam mit Christian D nach Kleinupal – und kurze Zeit später finden die beiden dort Fabiann.
00:22:47: In ihrer Einlassung klingt diese Fahrt zunächst ziemlich zufällig.
00:22:52: Sie und Christian D. hätten eigentlich gar kein festes Ziel gehabt, sie hätten Zeit miteinander verbringen wollen, Christian D sei schließlich derjenige gewesen, der sie zu diesem Tümpel geführt habe um dort Tiere zu beobachten.
00:23:06: Das ausgerechnet in dieser Gegend nach Fabian gesucht wurde, bezeichnet Gina H selbst sogar als Zitat natürlich Quatsch.
00:23:15: Sie habe irgendwo im Internet einen Hinweis auf Klein-Upal gelesen und niemand habe ernsthaft damit gerechnet, Fabian dort zu finden.
00:23:23: Nur gibt es vom Vormittag dieses threizenten Oktober zwanzig Sprachnachrichten von Gina Haar selbst die am zehnten September zwanzixundzwanzig abgespielt werden.
00:23:35: Und Sascha wenn man die hört wirkt die Fahrt nach Klein-upal plötzlich gar nicht mehr so zufällig oder?
00:23:41: Nein, denn in diesen Sprachnachrichten ist es Gina H. selbst die Christian D vorschlägt hinten Richtung Klein-Opal nach Fabian zu suchen.
00:23:50: Sie spricht von den Wäldern und von einem Acker und überlegt sogar warum Fabian dort sein könnte?
00:23:56: Vielleicht sei er entführt worden oder habe versucht zu Oma und Opa zu gelangen.
00:24:00: Gina Haar versucht zunächst zu präzisieren.
00:24:03: sie haben mit dem Acker eigentlich den Aussichtsturm gemeint.
00:24:06: aber die entscheidende Frage bleibt Warum Klein-OPAL?
00:24:10: Woher kam ausgerechnet dieser Ort?
00:24:13: Jinahar verweist auf ein Video von Rafaela, also der Freundin von Fabians Mutter.
00:24:18: Dieses Video habe sie bereits am threizenten Oktober zwanzundzwanzig gesehen und sei dadurch oft klein Opal aufmerksam geworden.
00:24:26: Nur gibt es damit das nächste Problem!
00:24:28: Nach den bisherigen Erkenntnissen soll genau dieses Video erst am achtzehnten Oktober zweitausendzwanziger veröffentlicht worden sein – also fünf Tage später.
00:24:38: Und zu einem Zeitpunkt, an dem Fabian schon längst gefunden wurde.
00:24:42: Genau und Gina H bleibt trotzdem dabei den entsprechenden Ausschnitt schon am threizendten Oktober zwanzig gesehen zu haben.
00:24:50: Rafaela soll deshalb nun auch als Zeuge dazu vernommen werden wann dieses Video tatsächlich erstellt und veröffentlicht wurde.
00:24:57: Und selbst wenn man die Frage nach dem Video zunächst offen lässt bleibt etwas merkwürdiges.
00:25:02: Gina Ha selbst sagt, die Suche dort sei eigentlich unsinnig gewesen.
00:25:07: Sie beschreibt sich als nahezu Nacht blind und sagt sogar wenn sie Fabian wirklich hätte suchen wollen, hätte sie das weder nachts noch ausgerechnet mit Christian D. gemacht – und trotzdem ist es Gina Ha, die am Vormittag Klein-Uphal ins Spiel bringt.
00:25:21: Später fahren die beiden Nachts dorthin in eine Gegend mit Wald- und Ackerflächen um nach einem seit drei Tagen vermissten achtjährigen Jungen zu suchen.
00:25:31: Was sagt Gina Hart denn, als das Gericht genau diese eigentlich ziemlich naheliegende Frage stellt?
00:25:37: Warum sucht man dort nachts nach einem Kind?
00:25:40: Darauf hat sie keine konkrete Erklärung.
00:25:42: Sie verweist unter anderem darauf dass Christian D., ein Nachtsichtgerät bzw eine Wärmebildkamera gehabt habe und ohnehin überall nach Fabien gesucht worden sei.
00:25:52: Aber auf die eigentliche Frage warum ausgerechnet sie Klein-Opal vorgeschlagen hat bleibt letztlich nur ein weiß ich nicht.
00:25:59: Und dazu passt noch etwas aus Gina Haas damaliger Videovernehmung, die inzwischen im Prozess abgespielt wurde.
00:26:07: Dort erzählt sie, dass sie nach der Fahrt mit Christian D eigentlich ins Bett gegangen sei – gleichzeitig spricht sie über ihren Nachbarn Olaf K. Nach dem Fund habe sie zwar den Drang verspürt, mit ihm zu reden, betont dann aber mehrfach und ziemlich energisch Zitat «Ich hab es nicht gemacht!
00:26:24: Ich hab nichts gesagt.».
00:26:26: Nur wissen wir aus dem bisherigen Prozess inzwischen, dabei blieb es offenbar nicht.
00:26:31: Denn Gina H soll Olaf K noch in derselben Nacht getroffen und ihn ebenfalls nach Klein-Opal geführt haben bis zu der Stelle an der Fabiens Leiche dann
00:26:40: lag.".
00:26:41: Das sind wieder zwei Darstellungen die sich jedenfalls nicht ohne Weiteres miteinander vereinbaren lassen.
00:26:46: Und genau an diesem Punkt rückt der spätere Fundort selbst immer stärker in den Mittelpunkt, denn Gina Ha legt sich in ihrer Einlassung sehr deutlich darauf fest diesen Ort vorher nicht gekannt zu haben.
00:26:57: Sie sagt, diesen Tümpel vor dem threizenten Oktober-Zw.A.
00:27:01: noch nie gesehen zu haben – in dieser Gegend habe sie sich nicht ausgekannt!
00:27:06: Auch am zehnten Oktober, dass sie ganz bestimmt nicht zum Tümpel gefahren, sondern vom Bolze direkt weiter zur Schule ihres Sohnes.
00:27:16: Dass ihr Weg sie möglicherweise trotzdem in Richtung des Tümbels geführt habe, erklärt Sie mit Orientierungslosigkeit.
00:27:22: Sie sei einfach gerade ausgefahren und habe gehofft irgendwann wieder auf die Hauptstraße zu kommen.
00:27:28: Das dieser Weg am späteren Fundort vorbeiführt haben sie gar nicht wissen können!
00:27:33: Das Bild ist also ziemlich eindeutig.
00:27:36: Eine ihr weitgehend unbekannte Gegend, ein Tümpel den sie vorher nie gesehen haben will und einen möglichen Weg dorthin allenfalls aus Zufall.
00:27:45: Nur findet das Gericht später eine eigene Sprachnachricht von Gina Hardy.
00:27:49: dazu nicht so richtig passen will oder?
00:27:52: Genau am zehnten September zwanzigzehnzeixundzwanzig hält das Gerich ihr eine Sprach Nachricht vor die Gina Haar am siebzehnten Oktober zweitausundzwanzig an Sven D. geschickt hatte.
00:28:02: Darin spricht sie über den Weg am Fundort und sagt, dieser Weg ist normalerweise gar nicht magic.
00:28:09: Und genau in diesem Wort bleibt das Gericht hängen – normalerweise!
00:28:13: Denn woher weiß ich wie ein Weg normalerweise beschaffen ist wenn ich diese Gegend vorher nicht kannte und diesen Tümpel erst wenige Tage zuvor zum ersten Mal gesehen haben will?
00:28:23: Gina H erklärt Sie beziehe sich damit lediglich auf einen späteren Besuch mit High KM.
00:28:28: Das Gericht konfrontiert sie aber noch mit einem weiteren Punkt Es soll Zeugensichtungen vom zehnten Oktober zweitausendfünfundzwanzig geben, nach denen Gina Haar schon an diesem Tag durch ein Weitgebiet in Richtung des späteren Fundorts gefahren sein soll.
00:28:41: Und darauf reagiert Gina Haa genervt – sie sei dort gefahren weil sie Zeit gehabt habe und fragt das Gericht sinngemäß ob es wisse wie oft sie durch Felder fahre.
00:28:51: Wenn man das jetzt einmal zusammen fasst fällt schon auf Wie viele dieser Punkte sich erst durch Gina Haas eigene Einlassung und die anschließenden Nachfragen des Gerichts zugespitzt haben?
00:29:02: Teilweise sollte eine Erklärung eigentlich entlasten.
00:29:05: Und dann tauchen immer wieder neue Widersprüche auf oder die Erklärungen passt nicht zu den objektiven Daten.
00:29:11: Kann Gina Haar sich mit so einer ausführlichen Einassung am Ende tatsächlich selbst schaden?
00:29:18: Ja, das kann durchaus sein!
00:29:19: Gina Haa muss ich nicht einlassen... Sie darf schweigen und aus dem Schweigen dürfen ihr grundsätzlich keine nachteiligen Schlüsse gezogen werden.
00:29:26: Wenn sie sich aber entscheidet, sehr ausführlich zu erklären wie bestimmte belastende Umstände zustande gekommen sein sollen dann wären diese Erklärungen Teil der Beweisaufnahme.
00:29:36: Und dann dacht das Gericht sie auch überprüfen.
00:29:38: Das kann zunächst entlastend wirken!
00:29:51: Gewicht nehmen.
00:29:53: Aber es kann eben auch genau anders herumlaufen!
00:29:55: Wenn eine Erklärung einem objektiven Beweismittel widerspricht, wenn sie sich nach einem Vorhalt verändert oder für den selben Umstand nacheinander mehrere unterschiedliche Erklärungen gegeben werden – dann kann das Gericht zu dem Ergebnis kommen?
00:30:10: Diese entlastende Erklär- rung überzeugt mich nicht Und das kann für Gina Hart durchaus nachteilig sein.
00:30:17: Nicht in dem Sinne.
00:30:18: Sie hat hier gelogen also hat sie den Mord begangen.
00:30:21: Das wäre verkürzt.
00:30:22: Aber stellen wir uns vor, ich habe bereits ein belastendes Indiz.
00:30:26: GNH liefert dazu eine Erklärung die dieses Indiz entkräften soll und diese Erklärungen hält der Überprüfungsnichtstand.
00:30:34: Dann bleibt nicht nur das ursprüngliche Indiz bestehen.
00:30:37: unter Umständen gewinnt es sogar an Bedeutung weil die Angebote einer Alternativerklärung wegfällt.
00:30:43: Und wenn sich so etwas nicht nur einmal sondern bei mehreren Punkten zeigt kann sich daraus in der Gesamtwürdigung ein immer dichteres Bild ergeben.
00:30:51: Genau das ist der Punkt bei einem Indizienprozess!
00:30:54: Es geht selten darum, dass ein einzelnes Indiz alles beweist – es geht viel mehr darum ob viele Einzelne Umstände miteinander korrespondieren, objektive Spuren, digitale Daten, Zeugenaussagen, Verhalten und eben auch die Frage ob die Erklärungen von Gina H für diese Umständen tragfähig sind….
00:31:15: Werden sich belastende Indizien gegenseitig Stützen und gleichzeitig die Erklärungen, die sie entkräften sollen an mehreren Stellen nicht überzeugen kann das am Ende sehr wohl einen Baustein auf den Weg zu einer Verurteilung darstellen.
00:31:27: Je mehr konkrete Angabe jemand macht desto mehr davon lässt sich mit anderen Beweismitteln abgleichen.
00:31:33: Und wenn dieser Abgleich immer wieder Widersprüche hervorbringt kann eine Einlassung, die eigentlich entlastend soll dass belastenden Gesamtbild sogar vervollständigen.
00:31:43: Ob das hier am Ende bei Gina H tatsächlich so sein wird, kann man zum jetzigen Zeitpunkt nichts sagen.
00:31:48: Dafür läuft die Beweisaufnahme noch und es kommen weitere Zeugen- und Beweismittel.
00:31:53: Aber rein aus richterlicher Sicht ist die Konsequenz schon sehr klar – widersprüchliche Entlastungserklärungen können einem angeklagten Erheblichschaden.
00:32:03: Gerade dann werden sie sich auf die zentralen Belastenden in die Zähne beziehen.
00:32:08: Und jetzt kommen wir zu drei neuen Zeugen, die für den bisherigen zeitlichen Ablauf des Fals ziemlich wichtig werden könnten.
00:32:16: Nämlich drei Kinder, die alle sagen Fabian am Tartag noch nach Schulschluss gesehen zu haben.
00:32:23: Der erste Junge ist zehn Jahre alt, kannte Fabian aus der Schule und sagt sie seien ein bisschen befreundet gewesen.
00:32:29: Er will Fabian an diesem Tag sogar zweimal gesehen haben einmal beim Bäcker und später nochmal an der Kirche.
00:32:37: Nach Schulschluss um zwölf Uhr dreißig sei er mit einem Freund etwas essen und anschließend Pokemon-Karten kaufen gegangen.
00:32:44: Auf diesem Weg habe er Fabian gesehen, allein mit seinem Fahrrad.
00:32:48: Ganz sicher ist sich der Junge beim Wochentag zunächst allerdings nicht – erst schwankt er zwischen Donnerstag und Freitag und entscheidet sich dann aber eher für Freitage.
00:32:58: Und Freitagen das war dann der zehnte Oktober zweihundzwanzig!
00:33:03: Auch der zweite Zeug ist zehn und kannte Fabian aus der Schule.
00:33:07: Er legt sich deutlicher fest, zuletzt gesehen habe er Fabian an dem Tag wo er vermisst wurde – ebenfalls allein mit einem Fahrrad beim Bäcker in der Nähe der Schule!
00:33:17: Er erzählt außerdem sein Vater habe ihm noch am selben Tag von Fabians Verschwinden erzählt als er ihn bei einem Freund abgeholt habe nach seiner Erinnerung gegen siebzehn oder achtzehn Uhr.
00:33:29: Und dann kommt die dritte Aussage, eine zwölfjährige, die in derselben Straße wie Fabian wohnt will ihn sogar am zehnten Oktober, zweitausendfünfundzwanzig zwischen vierzehn und fünfzehn Uhr gesehen haben.
00:33:41: Fabian sei zu Fuß gewesen – ungefähr zehn Schritte hinter ihm – seinen zwei schwarz gekleidete Männer gegangen!
00:33:48: Fabian habe immer wieder nach hinten geschaut und sei schneller geworden….
00:33:52: …und wenn Fabian schneller wurde seien auch die beiden Männer immer schneller
00:33:55: gegangen.".
00:33:57: Ja, wenn diese drei Kinder sich beim Tag richtig erinnern wäre das natürlich erheblich.
00:34:02: Denn die Staatsanwaltschaft geht bislang davon aus dass Diener Haar Fabian schon gegen zehn Uhr fünfundvierzig aus seiner Wohnung gelockt haben soll.
00:34:11: Sascha warum sagt die Staats Anwaltschaft trotzdem dass diese Aussagen deren bisherige Rekonstruktion nicht zu Fall bringen?
00:34:20: weil sie weniger daran zweifelt, dass die Kinder Fabien irgendwann gesehen haben sondern vor allem daran ob sie diese Erinnerung dem richtigen Tag zu ordnen.
00:34:30: Beim ersten Jungen sagt die Staatsanwaltschaft sogar ausdrücklich es sei naheliegend das er Fabian tatsächlich gesehen habe.
00:34:36: nur könnte das bereits am Donnerstag gewesen sein und genau diese Unsicherheit steckt ja auch in seiner Aussage.
00:34:42: er selbst schwankt jetzt zwischen Donnerstoch und Freitag.
00:34:45: Die Staatsanwalt für Weiß zusätzlich auf die unterschiedlichen Schulschusszeiten.
00:34:49: Beim zweiten Jungen liegt das Problem ebenfalls in der zeitlichen Einordnung.
00:34:53: Er sagt zwar ziemlich bestimmt, es sei der Tag von Fabians Verschwinden gewesen – gleichzeitig erinnerte sich daran schon gegen siebzehn oder achtzehn Uhr davon erfahren zu haben.
00:35:03: Nach dem bisherigen Ermittlungsstand soll das zeitlich aber nicht möglich gewesen sein, weil Fabian zu diesem Zeitpunkt noch nicht für vermisst erklärt wurde.
00:35:11: Für die Staatsanwaltschaft ist das ein Hinweis darauf, dass sich in seiner Erinnerung Ereignisse miteinander verschoben haben
00:35:17: könnten.".
00:35:18: Und auch bei der Zwölfjährigen gibt es Unterschiede zu ihrer früheren Aussage.
00:35:22: Jetzt spricht sich von zwei Männern, die hinter Fabien hergegangen seien.
00:35:25: Früher soll sie nur von einer Person gesprochen und außerdem angegeben haben, Fabian sei angefasst worden.
00:35:31: Davon berichtet sie vor Gericht nicht mehr.
00:35:34: Die Verteidigung sieht das natürlich genau anders – für Sie sind das drei Kinder, die unabhängig voneinander sagen, Fabien war an diesem Nachmittag noch unterwegs!
00:35:43: Ja, wie bewertet ein Gericht eigentlich Aussagen von Kindern?
00:35:47: Denn bei Erwachsenen sagen wir ja schon immer eine Zeugenaussage ist keine Videoaufnahme.
00:35:52: Erinnerungen verändern sich, Details können verloren gehen oder sich verschieben und bei Kindern kommt noch einiges dazu – sie sind leicht beeinflussbar, Zeitangaben fallen ihnen häufig schwerer und gerade wenn ein Fall über Monate überall Thema ist, können sich eigene Erinnerung und Dinge die man später gehört hat irgendwann vermischen.
00:36:14: Gleichzeitig wäre es aber genauso falsch zu sagen, dass sind Kinder.
00:36:17: also kann man sich darauf nicht verlassen?
00:36:20: Was weiß man denn aus der Aussagepsychologie darüber?
00:36:23: Zunächst einmal genau das!
00:36:25: Eine Kinderaussage ist nicht allein deshalb weniger glaubhaft weil sie von einem kind stammt.
00:36:31: Auch Kinder können sehr zuverlässige Zeugen sein.
00:36:34: Man muss bei ihrer Würdigung aber besonders darauf achten wie eine Erinnerung entstanden ist und wie sie sich entwickelt hat.
00:36:41: Ein großes Thema ist die sogenannte Sogestibilität, also die Beeinflussbarkeit.
00:36:46: Kinder können stärker darauf reagieren wie Fragen gestellt werden.
00:36:49: Wenn ein Kind immer wieder gefragt wird – war da vielleicht noch jemand?
00:36:54: Kann allein diese wiederholte Befragung Einfluss darauf haben, wie es sich später erinnert?
00:37:00: Deshalb ist die erste möglichst offene Befragen besonders wichtig!
00:37:03: Was hat das Kind spontan erzählt bevor Erwachsene andere Kinder oder die Medien weitere Informationen geliefert haben.
00:37:12: Und dann muss man zwischen verschiedenen Arten von Erinnerung unterscheiden, ein Kind kann sich sehr sicher daran erinnern Farbing gesehen zu haben und sich trotzdem beim Tag oder bei der Uhrzeit irren.
00:37:25: Gerade Zeiträume, Wochentage und Urzeiten sind für Kinder schwieriger einzuordnen.
00:37:31: Deshalb sucht man nach sogenannten Ankerereignissen war es vor- oder nach der Schule?
00:37:37: War an diesem Tag Training.
00:37:39: Wer hat das Kind abgeholt?
00:37:41: Wann hat es erstmal von Fabiens Verschwinden erfahren?
00:37:45: Solche Äußerungenpunkte können helfen eine Erinnerung zeitlich festzumachen.
00:37:49: Wichtig ist außerdem die Aussagekonstanz, dabei erwartet man aber gerade nicht dass ein Kind Monate später jedes Detail wortgleich wiederholt.
00:37:58: Interessant ist viel mehr ob der Kern des tatsächlich erlebten stabil bleibt.
00:38:03: Neue zentrale Details, die erst viel später auftauchen schaut man sich genauer an.
00:38:08: Dass dagegen eine Jackenfarbe vergessen oder ein Nebendetail anders erinnert wird muss überhaupt nichts gegen die Aussage sprechen.
00:38:17: und wenn wir das jetzt auf die drei Kinder übertragen liegt es eigentliche Problem also gar nicht unbedingt bei der Frage haben sie Fabian irgendwann gesehen?
00:38:25: sondern wie du schon gesagt hast vor allem darin haben Sie ihn wirklich am Freitag, dem zehnten Oktober, twenty-fünfundzwanzig gesehen.
00:38:34: Wie würdest du diese drei Aussagen deshalb aus richterlicher Sicht in diesem konkreten Indizienprozess einordnen?
00:38:41: Wenn ich das aus richterlicher Sicht einordne würde vor allem sagen dass man diese drei aussagen weder überschätzen noch klein reden darf und Ich kann das hier natürlich nur anhand dessen beurteilen was aus der Hauptfahndung berichtet wird.
00:38:53: Ich habe die Kinder nicht selbst vernommen.
00:38:55: Ich kenne weder ihren persönlichen Eindruck, noch die vollständigen früheren Aussagen oder die genaue Art ihrer Befragung.
00:39:02: Gerade bei Kinderaussagen kann das einen erheblichen Unterschied machen.
00:39:06: Trotzdem sieht man schon worauf es wie das Gericht ankommen wird.
00:39:10: Der entscheidende Punkt ist nicht ob die Kinderfarben grundsätzlich kannten oder ob sie ihn irgendwann einmal gesehen haben.
00:39:16: Die entscheide Frage lautet Kann das Gerichtsicher feststellen dass die jeweilige Beobachtung tatsächlich am Tartag stattgefunden hat?
00:39:24: Beim ersten Junge wäre für mich deshalb die Unsicherheit zwischen Donnersohn und Freitag zentral.
00:39:29: Dass er Fabian beim Bäcker und später noch einmal in der Kirche gesehen haben will, kann durchaus eine echte Erinnerung sein!
00:39:35: Nur hilft diese Erinnerungen für den Tatauplauf eben nur dann wenn sie sich zuverlässig dem Freitags zuordnen lässt?
00:39:42: Da würde man sehr genau auf seine erste Befragung schauen – was hat er damals spontan
00:39:46: gesagt?!
00:39:48: Woran macht er den Freitage fest?
00:39:50: Gibt es äußere Anhaltspunkte, etwa Schulschluss, Einkaufen, diese Pokémon-Karten mit denen man diesen Tag objektivieren kann?
00:40:00: Beim zweiten Jung ist die Aussage zunächst stärker am Tartag verankert weil er selbst sagt das war der Tag an dem Fabian verschwunden ist.
00:40:08: Gleichzeitig liegt genau dort das Problem auf das die Staatsanwaltschaft hinweist.
00:40:12: Er will schon gegen siebzehn oder achtzehn Uhr von seinem Vater von Fabians Verschwinden erfahren haben.
00:40:18: Wenn sich objektiv ergeben sollte, dass der Vater zu diesem Zeitpunkt davon noch gar nichts wissen konnte, wäre das ein Hinweis darauf, Bei der Zwölfjährigen ist die Situation noch einmal anders.
00:40:51: Ihre Aussage wäre, wenn sie zeitlich stimmt besonders bedeutsam weil sie Fabian am Tartag erst zwischen vierzehn und fünfzehn Uhr gesehen haben will.
00:41:01: Gleichzeitig gibt es aber Veränderungen gegenüber ihrer früheren Schilderung.
00:41:05: Zunächst offenbar eine Person und einen einfassen?
00:41:08: Jetzt zwei Männer, die Fabian folgen!
00:41:11: Das ist mehr als eine vergessene Jackenfarbe.
00:41:14: Deshalb müsste das Gericht sehr genau klären, wie diese Veränderung entstanden ist.
00:41:18: Hat sie bei der ersten Vernehmung vielleicht etwas anders ausgedrückt?
00:41:22: Wurde damals anders gefragt oder ist tatsächlich später ein neues zentrales Detail hinzugekommen?
00:41:28: Und am Ende ist die Konsequenz ziemlich klar – wenn das Gerücht bei allen drei Kindern Zweifel daran hat ob die Sichtungen wirklich am zehnten Oktober-Zw.
00:41:37: , muss sich an der bisherigen zeitlichen Rekonstruktion überhaupt nichts ändern!
00:41:43: Wenn es aber bei auch nur einer dieser Auslagen überzeugt ist, das war Fabian.
00:41:48: Das war der Freitag und das war nach dem von der Staatsanwaltschaft angenommenen Zeitpunkt – dann ist das kein Randdetail mehr!
00:41:56: Dann müsste diese Beobachtung in die gesamte Indizienkette eingepasst werden.
00:42:01: Und je später diese sichere Sichtung lege, desto stärker würde sie die bislang angenommene Grundologie des Tartages unter Druck setzen.
00:42:09: Das ist letztlich genau die Aufgabe des Gerichts….
00:42:12: nicht zu fragen, ob man den Kindern glaubt oder nicht glaubt sondern sehr viel genauer welchen Teil der jeweiligen Aussage kann ich mit welcher Sicherheit meine Entscheidung zur Grunde legen.
00:42:24: Wir haben jetzt sehr viel darüber gesprochen, was Gina Haar gesagt hat, welche Spuren es gibt und was andere Zeugen beobachtet haben.
00:42:31: Im Laufe dieses Prozesses ist aber noch eine ganz andere Frage immer wieder aufgekommen – nämlich was für ein Mensch ist Gina Haareindlich?
00:42:39: Und dahin steht ein ziemlich widersprüchliches Bild!
00:42:43: Eine Mitarbeiterin der AWO Gustro kannte Gina Ha bereits als Kind.
00:42:47: Ihre Großeltern waren damals mit ihr bei der Familienhilfe.
00:42:51: Die Zeugen beschreibt ein Mädchen, das nur schwer Vertrauen zu anderen Menschen aufbauen und deshalb kaum Freundschaften schließen konnte.
00:42:59: Jina Ha habe eine Außenseiterrolle gehabt und sei selbst massiv gehänselt worden.
00:43:04: Ihr Schulranzen sei etwa in einem Mülltonne gesteckt worden sie sei auf dem Schulweg geärgert worden Und Jina H habe damals sogar erzählt andere Kinder hätten ihre Haarspitzen angezündet.
00:43:16: Viele Jahre später sitzt diese Frau nun in Untersuchungshaft und dort erlebt eine Psychologin Gina Haar zunächst ganz anders.
00:43:23: Überfordert, aufgelöst, besorgt – sehr emotional!
00:43:27: Gerade am Anfang habe sie viel
00:43:29: geweint.".
00:43:30: Mit der Zeit habe sie Vertrauen gefasst, sei sehr auskunftsbereit gewesen und habe von Anfeindungen bedrohen und früheren psychischen Belastung erzählt.
00:43:40: In diesen Gesprächen habe Dina Ha außerdem immer wieder von früheren Psychischen Belasting gesprochen.
00:43:46: Dabei seien Begriffe wie eine Borderlineerkrankung, Depressionen und eine posttraumatische Belastungsstörung gefallen.
00:43:54: Auch von Vergewaltigungen und einem Suizidversuch nach einer Vergewaltung haben Sie
00:43:58: berichtet.".
00:43:59: Wichtig ist aber, dass sind zunächst Angaben die Gina Haar gegenüber der Psychologin gemacht hat.
00:44:05: Dass psychiatrische Gutachten das diese Fragen fachlich einordnen soll, ist bislang noch nicht in die Hauptverhandlung eingeführt worden.
00:44:12: Das steht in der weiteren Beweisaufnahme noch aus.
00:44:16: Nach den Verhandlungstagen beschäftigt Gina Haa übrigens wie andere sie wahrnehmen und sie beteuere immer wieder ihre Unschuld Man wolle ihr etwas anhängen.
00:44:26: Dann werden im Gericht allerdings die internen Vermärke der Justizvollzugsanstalt Bützow verlesen und die zeicheln noch einmal ein ganz anderes Bild.
00:44:35: So ist es, in diesen Vermerken wird Gina Haar teilweise ausgesprochen negativ beschrieben – da ist von Lügen Manipulation und dem Versuch die Rede sich Vorteile zu verschaffen oder sogar verschiedene Schichten gegeneinander auszuspielen.
00:44:48: Ein Nein könne sie nur schwer akzeptieren.
00:44:50: Ein Mitarbeiter hält außerdem fest, er habe sie selbst nach Verhandlungstagen noch nie niedergeschlagen erlebt.
00:44:57: Uninteressant ist auch – die Psychologin widerspricht dem nicht vollständig.
00:45:01: Sie sagt selbst bei Gina H manipulative Tendenzen wahrzunehmen.
00:45:06: Sie versuche mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, Vorteile zu erreichen und ihre Haftbedingungen zu
00:45:11: verbessern.".
00:45:12: Gleichzeitig beschreibt die selbe Psychologin aber eben auch eine Frau, die zu Beginn derhaft aufgelöst war.
00:45:19: Viel geweint hat und ihre Termine bei ihr äußerst zuverlässig und pünktlich wahrnimmt.
00:45:24: Das zeigt schon wie vorsichtig man mit solchen Beschreibungen sein muss.
00:45:28: Menschen können je nach Situationen und Beobachter völlig unterschiedlich wirken Und vor allem dürfen wir jetzt nicht den gedanklichen Kultschluss machen Wenn jemand manipulativ ist oder lügt dann isst er deshalb auch zu dem Mord fähig Oder hat diesen Mord begangen?
00:45:44: So funktioniert Beweisverdigung nicht.
00:45:47: Das finde ich gerade bei diesem Fall sehr wichtig, denn Begriffe wie hochgradig manipulativ bleiben natürlich hängen und wenn man vorher schon all diese widersprüchlichen Angaben gehört hat könnte man sehr schnell denken das passt doch irgendwie alles zusammen.
00:46:02: Darf ein Gericht dann diese Erkenntnisse über ihre Persönlichkeit überhaupt mit den Widersprüchen aus ihrer Einlassung verbinden?
00:46:09: Ja es darf ein Gerich tun!
00:46:11: Aber daraus darf kein allgemeiner Charakterbeweis werden nach dem Motto sie lügt in der Justizvollzugsanstalt, also lüght sie auch zum Tatgeschehen.
00:46:19: Sie ist manipulativ?
00:46:21: Also ist sie die Tee darin!
00:46:22: Das wäre viel zu kurz gegriffen.
00:46:24: Dasselbe gilt übrigens in die andere Richtung.
00:46:26: und dass Gina H. in Untersuchungshaft weint, püglich zu ihrer Psychologin geht oder immer wieder ihre Unschuld beteuert – es genau so wenig ein Beweis für ihre Unschuld.
00:46:37: Auch die Frage, ob jemand nach einem Verhandlungstag niedergeschlagen wirkt oder nicht hat für sich genommen kaum Aussagekraft darüber, ob diese Person ein Mord begangen hat.
00:46:48: Und auch bei den geschilderten psychischen Erkrankungen muss man vorsichtig sein!
00:46:52: Die Psychologin berichtet hier zunächst davon was Gina Ha ihr über frühere Diagnosen und Behandlungen erzählt nicht dasselbe wie eine forensisch-psychiatrische Begutachtung, aus der man Rückschlüsse auf Schuldfähigkeit, Tatmotivation oder Gartheterschaft ziehen könnte.
00:47:12: Bevor wir den Blick gleich wieder auf das gesamte Beweisbild richten fehlt aber noch eine Person deren Rolle im Verfahren inzwischen fast genau so viele Fragen aufwirft Fabiens Vater, denn auch Fabians Vater selbst hat im Prozess ausgesagt und seine Rolle ist inzwischen aus einem ganz anderen Grund besonders interessant nahezu ungewöhnlich geworden.
00:47:34: Denn heute ist er davon überzeugt dass Gina Haasein so nicht getötet hat.
00:47:38: Die beiden haben sich während ihrer Untersuchungshaft wieder angenähert und sind inzwischen offenbar wieder ein Paar.
00:47:45: Das ist interessant, aber so hat er über Gina Haar nicht immer gesprochen.
00:47:49: Genau und wie?
00:47:50: das Gericht ist dabei weniger entscheidend, dass sie heute an ihre Unschuld glaubt?
00:47:54: Das ist eine persönliche Überzeugung!
00:47:56: Beweisrechtlich interessanter sind seine konkreten Aussagen – da gibt es durchaus Unterschiede zwischen dem was er kurz nach Fabians Tod gegenüber den Ermittlungsbehörden gesagt hat und dem was der später in der Haupthandlung geschildert
00:48:10: Und einige davon sind ziemlich deutlich.
00:48:12: Im November im Jahr zweitausendfünfundzwanzig soll er gegenüber den Ermittlern beispielsweise angegeben haben, die nach Haar habe heimlich sein Handy kontrolliert.
00:48:21: Außerdem soll er sie damals als kontrollierend beschrieben und davon gesprochen haben dass Sie ihn von seinem sozialen Umfeld isoliert habe.
00:48:30: Vor Gericht wollte er diese früheren Darstellungen so nicht mehr aufrechterhalten bzw hat sie relativiert.
00:48:37: Und auch seine grundsätzliche Haltung gegenüber Gina Ha war unmittelbar nach Fabiens Tod, offenbar eine ganz andere.
00:48:45: Einer Polizeibeamtin soll er damals gesagt haben, er würde Gina Ha alles zutrauen – in einem Chat fragte er Gina Ha sogar selbst ob sie etwas mit Fabians Tod zu tun habe.
00:48:56: und heute sagt er dagegen ich glaube dass die unschuldig ist.
00:49:00: Wie geht man als Richter so einer Veränderung um gerade?
00:49:04: Von einer Person, die Fabian auch so nahe stand.
00:49:07: Ist das schon ein Grund zu sagen seine heutige Aussage ist weniger glaubhaft?
00:49:12: Nein!
00:49:12: So einfach wäre es nichts.
00:49:14: und gerade den letzten Punkt würde ich zunächst von anderen unterscheiden.
00:49:17: Wenn jemand unmittelbar nach dem Tod seines Kindes sagt Ich traue ihr alles zu Und Monate später sagt Ich glaube inzwischen dass sie unschuldig ist muss darin noch gar kein Widerspruch im klassischen Sinne liegen.
00:49:29: Eine Einschätzung kann sich verändern.
00:49:33: Er kann damals einen Verdacht gehabt haben und heute aufgrund späterer Gespräche oder Informationen anders denken.
00:49:39: Das beweist weder damals ihre Schuld, noch heute ihre Unschuld.
00:49:44: Spannender sind für mich deshalb die Punkte bei denen sich nicht nur seine Bewertung sondern seine Darstellung konkreter Geschehnisse verändert hat.
00:49:51: Wenn er früher beispielsweise sagt Gina H habe heimlich sein Handy kontrolliert und vor Gericht will er davon nichts mehr wissen Dann haben wir jetzt zwei unterschiedliche Angaben zu einem ganz konkreten Vorgang.
00:50:03: Und dann muss ich als Richter fragen, welche davon stimmt?
00:50:07: Und da spielt wahrscheinlich der Zeitpunkt der Aussagen eine Rolle, denn die frühen Angaben stammen aus einer Zeit kurz nach Fabians Tod und bevor Gina Haar und er sich während der Untersuchungshaft wieder angenähert haben.
00:50:20: Die spätere Aussage erfolgt dagegen in einer Situation, in der er wieder eine enge emotionale Beziehung zu ihr hat und von ihrer Unschuld überzeugt ist.
00:50:30: Das bedeutet natürlich noch nicht dass er jetzt lügt aber kann man diese Entwicklung bei der Aussagewürdigung wirklich ausblenden?
00:50:38: Nein, ausblendet darf man sie nicht.
00:50:39: Man darf sie nur nicht vorschnell gegen ihn verwenden.
00:50:43: eine enge persönliche Beziehung kann ein mögliches Motiv sein jemanden zu schützen Sie kann aber genauso gut völlig ohne Einfluss auf die Aussage sein.
00:50:52: Deshalb wäre es falsch zu sagen Die beiden sind wieder zusammen also glaube ich ihm nicht.
00:50:58: was sich aber sehr wohl machen würde ist alte und neue aussagen ummittelbar nebeneinander legen.
00:51:03: Was hat er damals konkret gesagt?
00:51:06: Was sagt er heute?
00:51:07: Betrifft die Veränderung einen wichtigen Punkt, wie erklärt er selbst diese Veränderungen und vor allem welche der beiden Versionen?
00:51:15: lässt sich durch Nachrichten andere Zeugen oder sonstige objektive Beweismittel überprüfen.
00:51:22: Gerade die Erklärung des Zeugs ist dabei wichtig – wenn ein Nachvollziehbar erklären kann warum eine frühere Aussage falsch oder missverständlich war, kann ein Widerspruch an Bedeutung verlieren.
00:51:33: Kann er das nicht, kann erheblich ins Gewicht fallen!
00:51:36: Und offenbar sind diese Abweichungen auch der Staatsanwaltschaft aufgefallen.
00:51:40: Gegen Fabians Vater wird inzwischen wegen des Verdachts einer möglichen Falschaussage ermittelt, mehr würde ich daraus an dieser Stelle aber auch gar nicht machen wollen denn für unseren Prozess ist doch nicht entscheidend das gegen ihn ermittlet wird sondern was das Gericht selbst von seinen Aussagen
00:51:55: hält.".
00:51:56: Genau!
00:51:56: Das Ermittlungsverfahren beweist überhaupt nichts – auch für Inglied selbstverständlich die Unschuldsvermutung.
00:52:01: Für mich als Richter im Verfahren gegen Gina H zählt allein Welche seine Angaben sind glaubhaft und welche nicht?
00:52:09: Und da würde ich auch davor warnen, ein Zeugen irgendwann insgesamt mit dem Stempel unglaubwürdig zu versehen.
00:52:15: Ein Zeuge kann sich bei einem Punkt irren, einen anderen falsch erinnern und bei einem dritten vollkommen zutreffend aussagen.
00:52:22: Deshalb muss auch hier wieder jede relevante Aussage einzeln geprüft werden!
00:52:26: Und nicht nur seine widersprüchlichen Aussagen haben im Gerichtssaal für Aufmerksamkeit gesorgt.
00:52:31: Auch die Art, wie er teilweise gesprochen hat war sehr unpassend.
00:52:35: als der Vorsitzende ihn fragte ob es in der Beziehung zu Gina Haar Tätigkeiten gegeben habe antwortete er Im Schlafzimmer, wenn sie verstehen was ich meine.
00:52:46: Der Vorsitzende Richter machte ihm darauf hindeutlich dass es hier um den Tod seines Sohnes gehe und solche Scherze unangebracht sein.
00:52:53: Trotzdem sagte Matthias eher später als es um Streit mit Gina H. ging noch einmal sinngemäß am Ende sind wir in einem Bett gelandet und hatten Spaß.
00:53:01: Ja das sind angesichts des Gegenstands dieses Verfahren schon Äußerungen bei denen nicht die Reaktion der Vorsitzenden gut nachvollziehen kann.
00:53:09: Gerade wenn man als Vater in einem Prozess über die gewaltsame Tötung des eigenen achtjährigen Sohnes aussagt, wirken solche Bemerkungen jedenfalls bemerkenswert deplatziert.
00:53:18: Und auch Fabians väterliche Familie ist im Prozess mit Verhaltensweisen aufgefallen, die zumindest ungewöhnlich wirken.
00:53:26: Als die Mutter von Matthias R., also Fabiens Großmutter im Zeugenstand sitzt, trägt sie ein T-Shirt mit der Aufschrift Don't Worry Be Your Happy.
00:53:36: Gleichzeitig wirkt Ihre Aussage nach der Berichterstattung sehr abwährend.
00:53:40: Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Sie denn wissen wolle was mit Ihrem Enkel passiert sei, antwortet sie nach einer längeren Pause schlicht will ich
00:53:48: nicht.".
00:53:49: Als der Vorsitzende Richter nachfragt warum eine Großmutter nicht wissen wollte was mit ihrem Enkel geschehen ist kommt keine wirkliche Erklärung.
00:53:57: zunächst nur –was soll ich dazu sagen– später auf die Aufförderung nachzudenken.
00:54:03: ein knappes Nö Und eine Polizeibeamtin schildert anschließend noch die Situation während der Suche nach Fabian.
00:54:10: Damals sei sie in Groß Bresen auf Fabians Großmutter und seinen Onkel getroffen, beide hätten eher unbeteilig gewirkt, keiner habe nach dem aktuellen Stand der Suchi gefragt und auf die Beamten hätten sie teinnahmslos und wenig empathisch
00:54:24: gewürgt.".
00:54:25: Das sind jedenfalls ziemlich auffällige Szenen aus der Hauptfahndung oder aus der damaligen Suche.
00:54:30: Gerade diese Kombination aus diesem T-Shirt Der sehr knappen Reaktion auf die Frage nach dem Schicksal des eigenen Enkels und Beobachtung der Polizeibeamtin bleibt natürlich hängen.
00:54:40: Ich würde es an dieser Stelle aber tatsächlich einfach so stehen lassen, als das was Zeugen über das Verhalten von Fabians väterlichem Umfeld berichtet haben.
00:54:47: Wir
00:54:48: haben jetzt sehr viele einzelne Punkte besprochen, die Indizien aus dem ersten Teil, Gina Haas Einlassung und Nachfragen des Gerichts.
00:54:56: Die Widersprüche aber auch neue Zeugen aussagen, die möglicherweise eine ganz andere Bedeutung bekommen können.
00:55:03: Wenn du das einmal alles zusammenführst, wie würdest du den Fall aus richterlicher Sicht zum jetzigen Stand insgesamt einschätzen?
00:55:11: Wenn ich jetzt einmal versuche das alles ausrichterlicher sich zusammenzuführen, dann ist mein Eindruck zunächst dass das Beweisbild nach diesen weiteren Fahnungstagen nicht einfacher geworden ist.
00:55:21: Im Gegenteil!
00:55:22: Wir haben in Teil eins eine ganze Reihe von Indizien gesehen die Gina H belasten können.
00:55:28: Keines dieser Indizienten beweist für sich genommen was Gina H Farbing getötet hat aber genau darum geht es bei einem Indiziem Prozess auch nichts.
00:55:37: Ein Gericht muss am Ende fragen, welches Bild entsteht wenn ich alle belastenden und entlastenden Umstände gemeinsam betrachte.
00:55:45: Und seit unserer ersten Folge zu diesem Bild einiges hinzugekommen – da ist zunächst Gina Haas eigene Einlassung!
00:55:51: Sie hat für viele der belastende Umständen Erklärungen geliefert….
00:55:54: Für die Blutspur gibt es den Badetag, für das ausgeschaltete Handy den Wunsch nach Ruhe, für Fahrten- und Aufenthaltsorte einen bestimmten Tagesablauf und auch für die Fahrt nach Kleinopal eine eigene Geschichte.
00:56:06: Das Problem ist, einige dieser Erklärungen haben bei den Nachfragen des Gerichts Risse bekommen.
00:56:12: Teilweise unterscheiden sich ihre Angaben vom dem, was sie am zehnten September gesagt hat – teilweise passen früherer Aussagen nicht dazu und an einigen Stellen stehen objektive Daten daneben, etwa Nachrichtenverläufe, Kameraaufnahmen oder Bewegungsdaten.
00:56:33: an denen sich ihre Erklärungen überprüfen lassen.
00:56:36: Das bedeutet nicht, Gina H widerspricht sich also hat sie Fabien getötet – so darf ein Gericht niemals argumentieren!
00:56:43: Aber wenn eine Angeklagte sich ausführlich einlässt, darf und muss das Gericht prüfen ob diese Einlastung mit dem übrigen Beweisergebnis vereinbar ist?
00:56:52: Und wenn Erklärung für belastende Indizien nicht überzeugen kann es für die Gesamtwürdigung durchaus Bedeutung bekommen.
00:56:59: Auf der anderen Seite gibt es inzwischen aber auch Punkte die man nicht einfach beiseite schieben kann allen voran die Aussagen der drei Kinder.
00:57:06: Wenn sich auch nur eine dieser Sichtungen zuverlässigt im zehnten Oktober, und einer Uhrzeit nach dem von der Staatsanwaltschaft angenommenen verschwinden Fabians Zuordnendliese müsste man sich sehr genau anschauen was das mit den bisherigen Tatauplaf macht.
00:57:23: Gerade deshalb wird entscheidend sein wie das Gericht diese Kinderaussagen nach vollständiger Beweisaufnahme bewertet.
00:57:29: Und das ist für mich überhaupt der wichtigste Punkt zum jetzigen Zeitpunkt!
00:57:33: Wir sind noch mitten in dieser Beweisaufnahme.
00:57:35: Gina Haar hat noch nicht alle Fragen des Gerichts beantwortet, anschließend dürfen auch Staatsanwaltschaft neben Klägerseite und Verteidigungfragen stellen – es sind weitere Zeugen zu vernehmen!
00:57:46: Wir wissen doch nicht welche zusätzlichen Erkenntnisse daraus entstehen….
00:57:50: Auch das psychiatrische Gutachten muss noch in die Haupthandlung eingeführt werden ….
00:57:53: Und wir kennen als Außenstehende ohnehin nur Ausschnitte dessen was tatsächlich im Gerichtssaal verhandelt wird….
00:57:59: Wir haben weder sämtliche Akten Noch sämtliche Gutachten vorliegen und haben vor allem die Zeugen nicht selbst erlebt.
00:58:06: Deshalb wäre es aus meiner Sicht unseriös, jetzt zu sagen das reicht für eine Verurteilung.
00:58:11: Genauso wie es unseriöse wäre zu sagen der Anklagevorwurf ist widerlegt.
00:58:17: Was man stand heute sagen kann ist etwas anderes.
00:58:20: Es gibt weiterhin ein erhebliches belastendes Indizienbild aber es gibt inzwischen auch Erklärungen, Widersprüche und neue Zeugenaussagen die das Gericht sehr sorgfältig prüfen muss.
00:58:32: Und am Ende wird wahrscheinlich nicht ein einzelner spektakulärer Beweis diesen Prozess entscheiden, es wird darum gehen ob sich all diese einzelnen Puzzleteile zu einem ja in sich stimmigen Gesamtbild zusammenfügen oder ob Lücken und vernünftige Zweifel bleiben.
00:58:50: Denn für eine Verurteilung wegen Mordes reicht es nicht, dass Gina Haar die wahrscheinendste Täterin ist.
00:58:56: Es reicht auch nicht, das vieles verdächtig wirkt oder ihre Einlassungen in einzelnen Stellen nicht überzeugt.
00:59:04: Das Gericht muss nach Abschluss der gesamten Beweisaufnahme von ihrer Täterschaft überzeugt sein – ohne das vernünftige Zweifel verbleiben!
00:59:12: Und genau an diesem Punkt sind wir heute noch nicht….
00:59:15: Der Prozess ist offen Die Beweisaufnahme ist nicht abgeschlossen und deshalb kann auch unsere Bewertung nur eine Zwischenbilanz
00:59:35: sein.
00:59:37: Eine mathematische oder hundertprozentige Gewissheit verlangt das Strafverfahren nicht.
00:59:41: Die wird man bei einem Geschehen, bei dem niemand die Tat unmittelbar beobachtet hat, häufig auch gar nicht erreichen können.
00:59:47: Entscheint ist die persönliche Überzeugung des Gerichts und zwar nach der gesamten Beweisaufnahme.
00:59:54: Die Richter müssen am Ende sagen können wir sind davon überzeugt dass es so gewesen ist.
01:00:00: Dabei dürfen keine vernünftigen auf konkrete Umstände gestützten Zweifel an der Täterschaft verbleiben Und das ist etwas anderes als die bloße theoretische Möglichkeit, dass alles auch ganz anders gewesen sein könnte.
01:00:13: Für nahezu jeden Sachverhalt lässt sich irgendeine alternative Geschichte konstruieren – allein das zwingt ein Gericht noch nicht zum Freispruch!
01:00:21: Wenn aber nach Ausschöpfung der Beweisaufnahme eine ernsthaft im Betracht kommende Alternative Erklärungen bestehen bleibt, ausräumen lässt, dann fehlt diese Überzeugung und dann geht in Dubio Pro Reo im Zweifel für den Angeklagten.
01:00:39: Das ist gerade bei einem Indizienprozess entscheidend!
01:00:42: Das Gericht muss nicht für jedes einzelne Indiz isoliert jede denkbare Alternative ausschließen – es muss am Ende alle belastenden und entlastenen Umstände gemeinsam betrachten.
01:00:53: Und wenn sich daraus ein Gesamtbild ergibt das die Richter von der Täterschaft überzeugt kann auch allein auf Grundlage von Indizien verurteilt werden.
01:01:04: Bleiben solche vernünftigen Zweifel dagegen am Ende bestehen, muss freigesprochen werden – selbst wenn vieles für eine Täterschaft spricht oder es gericht sie sogar für wahrscheinlich
01:01:12: hält.".
01:01:24: Wie fühlt sich das eigentlich an, als Richter über die Freiheit eines Menschen zu entscheiden?
01:01:29: Also zu wissen dass die eigene Überzeugung am Ende darüber mit entscheidet ob jemand möglicherweise viele Jahre ins Gefängnis muss oder freigesprochen wird.
01:01:39: Und gerade bei einem Indizienprozess stelle ich mir das noch einmal besonders schwierig vor.
01:01:44: da gibt es eben nicht den einen Beweis sondern viele einzelne Puzzleteile die am ende ein Gesamtbild ergeben sollen.
01:01:51: Ist diese Verantwortung dann noch einmal anders spürbar?
01:01:55: Ja, diese Verantwortung spürt man.
01:01:57: Und ich glaube das wäre auch problematisch wenn es irgendwann nicht mehr so wäre.
01:02:01: Denn am Ende entscheidet man nicht abstrakt über einen juristischen Fall sondern über ein Menschen und gerade wenn eine langjährige Freitstrafe im Raum steht oder sogar eine lebenslange Freitstrafe weiß man natürlich welche Konsequenzen die eigene Entscheidung hat.
01:02:17: trotzdem darf dieses Gefühl der Entscheidung nicht bestimmen.
01:02:20: Ich darf jemanden nicht freisprechen, weil mir eine Verurteilung zu schwer fällt.
01:02:24: Und ich darf umgekehrt natürlich auch nicht verurteilen, weil ich persönlich das Gefühl habe der Angeklagte werde es schon gewesen
01:02:30: sein.".
01:02:31: Die Verantwortung besteht gerade darin die eigenen Gefühle von der Beweiswürdigung zu trennen und sich immer wieder zu fragen was ist tatsächlich bewiesen?
01:02:41: Bei einem Indizienprozess empfinde ich das als besonders anspruchsvoll.
01:02:44: Da krebt es häufig nicht diesen einen Moment in dem man sagen kann Das ist der Beweiss!
01:02:49: Stattdessen hat man viele einzelne Umstände, von denen vielleicht jeder für sich noch eine andere Erklärung zulässt.
01:02:56: Und irgendwann muss man entscheiden ob diese einzelnen Teile in ihrer Gesamtheit so ineinandergreifen dass daraus eine sichere Überzeugung entsteht.
01:03:04: Natürlich fragt man sich dabei auch immer wieder selbst – übersehe ich etwas?
01:03:08: Gewichtig ein Indiz zu stark gibt es eine vernünftige andere Erklerung die ich nicht ausreichend berücksichtigt habe.
01:03:15: Gerade diese Selbstkontrolle gehört für mich zur richterlichen Arbeit dazu.
01:03:19: Aber irgendwann ist die Beweisaufnahme beendet, dann kann man die Entscheidung nicht mehr vertagen nur weil sie einem schwer fällt.
01:03:26: Man muss zu einem Ergebnis kommen und wenn ich nach sorgfältiger Prüfung überzeugt bin das der angeklagte Tatbegangen hat und keine vernünftigen Zweifel verbleiben, da muss sich auch verurteilen.
01:03:36: Bleiben.
01:03:36: diese Zweifeln muss ich freisprechen selbst wenn ich persönlich vielleicht denke dass vieles für eine Täterschaft spricht.
01:03:43: Das ist eine enorme Verantwortung, aber genau deshalb haben wir diese hohen Anforderungen an eine strafrechtliche Vorteilung.
01:03:50: Vielen Dank für den Einblick.
01:03:51: das war wirklich sehr spannend und ja wir werden den Fall weiterhin verfolgen.
01:03:57: Damit sind wir jetzt am Ende von Teil zwei angekommen und jetzt interessiert uns wieder eure Einschätzung.
01:04:04: Hat sich euer Blick auf den Fall durch Gina Haas Einlassung oder die Nachfragen des Gerichts verändert?
01:04:10: Und welcher Punkt ist für euch nach diesen beiden Folgen derjenige, der am meisten Gewicht hat?
01:04:15: Schreibt uns das gerne!
01:04:17: Ihr findet uns auf Instagram unter hinter der Robe oder auch gerne per E-Mail.
01:04:23: Die findet ihr in den Show Notes.
01:04:26: Ja und danke, dass ihr wieder dabei wart.
01:04:27: Wenn euch die Folge gefallen hat würden wir uns natürlich über eine fünf Sterne Bewertung freuen!
01:04:32: Und wir freuen uns wenn ihr das nächste Mal wieder dabei seid beim nächsten Fall, beim nächsten Blick hinter die Robe.
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