Identitätsmissbrauch beim Online-Shopping
Shownotes
Max öffnet seinen Briefkasten und findet eine Rechnung für etwas, das er nie bestellt hat. Kurz darauf kommt die Mahnung. Dann eine Zahlungsaufforderung von einem Inkassobüro. Und irgendwann wird ihm klar: Jemand benutzt seit Wochen seinen Namen, um online einzukaufen.
Genau so beginnt der Fall aus unserem Bekanntenkreis, über den wir in dieser Folge sprechen.
Das erwartet euch:
- Was liegt strafrechtlich vor, wenn jemand unter deinem Namen online bestellt?
- Wie kommen Täter an Namen, Adressen, Passwörter und andere persönliche Daten?
- Welche Warnzeichen sprechen dafür, dass die eigene Identität bereits missbraucht wird?
- Was sollte man tun, wenn plötzlich Rechnungen, Mahnungen oder Inkassoschreiben eintreffen?
- Warum bekommen Täter selbst bei zahlreichen Betrugsfällen manchmal noch eine Bewährungsstrafe?
Hinweis: Der geschilderte Sachverhalt wurde anonymisiert und mit Zustimmung der Betroffenen verwendet.
Ihr findet uns auf Instagram unter hinterderrobe.
Wenn euch die Folge gefällt, freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung.
Musik: Harald Bauch von der Heyde, big [arts]
Transkript anzeigen
00:00:00: Was passiert eigentlich, wenn jemand auf deinen Namen bestellt, obwohl du selbst davon überhaupt nichts weißt?
00:00:06: Woran erkennt man Identitätsmissbrauch.
00:00:09: Musst Du dann trotzdem zahlen?
00:00:11: Was sollte man machen, wenn plötzlich Rechnung, Mahnung oder in Kassu-Schreiben auftauchen?
00:00:16: und wann wird aus einer Bestellung sogar eine Straftat?
00:00:39: Willkommen zu hinter der Robe de Justiz Podcast!
00:00:41: Mein Name ist Sascha ich bin Richter am Landgerecht
00:00:44: Und mein Name ist Victoria.
00:00:45: Ich Bin Rechtspflegerin.
00:00:47: Wir haben in den letzten Tagen eine Nachricht einer höheren erhalten, die uns einen Sachverhalt geschildert hat.
00:00:53: Der uns wiederum an eine Geschichte aus unserem eigenen Bekanntenkreis erinnert hat.
00:00:59: Deshalb stützen wir uns heute nicht auf eine konkrete Gerichtsentscheidung.
00:01:04: Wir haben die Betroffenen gefragt aus unserem bekannten Kreis ob wir die Konstellation anonymisiert für die Folge verwenden dürfen und damit waren sie einverstanden.
00:01:14: Und deshalb hören wir gleich von Victoria diese Geschichte und in diesem Zusammenhang werden wir uns einmal ganz praktisch angucken, wie so ein Identitätsmissbrauch ablaufen kann.
00:01:23: Welche Straftatbestände dabei eine Rolle spielen und was die Betroffenen tun können?
00:01:29: Max ist Anfang Dreißig, arbeitet als Handwerker und lebt seit Jahren sein eigenes Leben.
00:01:34: Zu seinem Vater und dessen heutiger Frau besteht schon lange kein Kontakt mehr.
00:01:39: Max kennt seine Stiefmutter Laura zwar – sie und sein Vater leben nur ein paar Straßen entfernt – dennoch versucht man sich im Alltag möglichst aus dem Weg zu gehen.
00:01:49: Was Max nicht weiß, Laura beginnt, seine Identität für sich zu nutzen!
00:01:54: Zunächst richtet sie bei einem Online-Händler ein Kundenkonto ein, mit Max Namen und seinem Geburtsdatum.
00:02:00: Als Rechnungsadresse hinterlegt sie seine Anschrift.
00:02:04: Die E-Mail-Adresse gehört allerdings ihr selbst – sodass sämtliche Bestellbestätigungen für Sandmeldung und Rückfragen nur bei ihr landen.
00:02:12: Und dann bestellt Sie!
00:02:14: Erst ein Passnika für € hundred ochzig Euro eine Jacke für € zweihundertvierzig Euro, dann Kosmetik, Kopfhörer und einen Staubsauger.
00:02:22: Ein paar Tage später ein neues Smartphone.
00:02:25: Immer wieder neue Bestellungen, immer auf seinen Namen – immer als Kaufaufrechnung!
00:02:31: Die Pakete lässt sie an Adressen schicken, an denen sie selbst Zugriff darauf hat Mal an ihre eigene Wohnung, mal eine Parkstation, mal andere Lieferadresse.
00:02:41: Und so geht das nicht nur ein paar Tage sondern über Wochen.
00:02:45: Max bekommt davon nichts mit.
00:02:47: Sein Alltag läuft ganz normal weiter.
00:02:49: Er geht zur Arbeit, trifft Freunde und erledigt seine Einkäufe.
00:02:53: Er ahnt nicht dass in seinem Namen längst ein zweites Leben geführt wird – eines indem er ständig neue Sachen bestellt.
00:03:00: Bis eines Tages einen Mahnbescheid in seinem Briefkasten liegt.
00:03:04: Knapp sechshundert Euro für Kleidung aus einem Online-Shop bei dem er noch nie bestellt hat.
00:03:09: Er hält es zunächst für einen Fehler, vielleicht eine Namensverwechslung.
00:03:13: Vielleicht hat jemand beim Händler eine falsche Adresse angegeben?
00:03:17: Er legt den Brief erst einmal zur Seite – doch dann kommt eine Rechnung!
00:03:21: Diesmal mehr als tausend Euro.
00:03:24: Kurz darauf eine Mahnung.
00:03:25: Dann noch eine.
00:03:27: Und irgendwann meldet sich das erste in Kasse
00:03:29: unternehmen.".
00:03:30: Plötzlich soll Max nicht mehr ein paar Hundert Euro zahlen, sondern mehrere Tausend.
00:03:34: Dazu Mahnkosten in Kassau Gebühren und immer neue Forderungen von Händlern, deren Namen erteilbar sein noch nie gehört hat.
00:03:42: Am Ende geht es nicht mehr um zwei oder drei Bestellung, sondern um Waren im Wert von mehreren Zehntausend Euro.
00:03:48: Für Max ist das nicht nur ein finanzielles Problem – er weiß zunächst überhaupt nicht wer hinter den Bestellungen steckt und wie viele seiner Daten bereits in fremden Händen
00:03:57: sind.".
00:03:57: Und während Max versucht herauszufinden, was eigentlich passiert ist, bestellt Laura weiter.
00:04:03: Neue Schuhe, Elektronik, Kleidung, Haushaltsgeräte – alles unter seiner Identität!
00:04:09: Für die Händler sieht es jedes Mal so aus als würde Max selbst einkaufen.
00:04:13: Dabei läuft der Bestellvorgang vollständig automatisiert ab.
00:04:17: Laura gibt die Daten ein, das System prüft sie, akzeptiert die Zahlungsmethode und gibt die Bestellungen frei.
00:04:24: Und irgendwann steht für Max fest, dass hier war kein Versehen.
00:04:28: Jemand hat ganz gezielt seine Identität benutzt – wieder und
00:04:32: wieder.".
00:04:33: Ja Sascha Wie ordnet man so etwas strafrechtlich ein?
00:04:37: Also bei einer solchen Konstellation kommen vor allem zwei Straftatbestände im Betracht zum einen der Computerbetrug und zum anderen die Feldschung beweiseheblicher Daten.
00:04:48: Beide können hier sogar nebeneinander also in Tarteinheit verwirklicht sein!
00:04:53: Dann schauen wir uns die beiden Begriffe doch einmal genauer an.
00:04:56: Beim Computerbetrug steckt ja schon im Namen, dass nicht der klassische Kontakt zwischen zwei Menschen im Vordergrund steht sondern ein technischer Vorgang.
00:05:05: was genau muss denn bei so einem automatisierten Bestellprozess passieren damit wir strafrechtlich von einem Computer betrug sprechen?
00:05:13: Also beim Computer Betrug geht es vereinfacht gesagt darum das ein automatisierter Datenverarbeitungsvorgang so beeinflusst wird, dass dadurch ein Vermögenschalen entsteht.
00:05:26: Die Entscheidung wird nicht von einem Menschen getroffen sondern von einem System.
00:05:30: Nehmen wir mal den Onlineshop!
00:05:32: Du legst etwas in den Warenkorb, gibst deine Daten ein, hinterlegst einen Zahlungsmittel und klickst auf Bestellen.
00:05:39: Dahinter prüft ein Computersystem die eingegebenen Informationen und entscheidet automatisiert ob die Bestellung angenommen und die Zahlung freigegeben wird.
00:05:48: Wenn nun jemand dabei Daten eingibt oder verwendet, zu deren Nutzung er gar nicht berechtigt ist kann genau diese automatisierte Vorgang manipuliert werden.
00:05:58: Dann kann aber wahrscheinlich nicht jede falsche Angabe in irgendeinem Online-Formular schon Computerbetrug sein.
00:06:04: Entscheidend muss doch sein was das System aufgrund dieser Daten anschließend macht und ob sich das tatsächlich auch Vermögen auswirkt.
00:06:12: Genau!
00:06:13: Nicht jede falscher Eingabe reicht automatisch.
00:06:16: Maßgebend ist, dass die Datenverarbeitung dadurch so beeinflusst wird das am Ende ein Vermögenschaden entsteht.
00:06:24: Bei einem Online-Kauf kann das zum Beispiel wie folgt aussehen – jemand verwendet fremde Daten.
00:06:29: Das System prüft diese Daten hält die Zahlung für legitim und gibt die Bestellungen frei.
00:06:35: Die Ware wird verschickt oder eben eine Leistung bereitgestellt.
00:06:39: Das System glaubt natürlich nicht im menschlichen Sinn etwas Aber es verarbeitet die falschen oder unberechtigt verwendeten Daten genau so, wie es programmiert wurde und trifft daraufhin die vermögensrelevante Entscheidung.
00:06:54: Das bedeutet für unseren Fall – Laura gibt nicht einfach nur einen falschen Namen an sondern sie verwendet gerade Max Identität damit das System die Bestellung akzeptiert.
00:07:06: Wo genau liegt darin jetzt der Computerbetrug?
00:07:09: Laura bestellt über das Kundenkonto Waren und verwendet dabei Max-Daten, obwohl sie dafür keinerlei Berechtigung hat.
00:07:16: Für das System sieht es technisch so aus als seien die eingegebenen Daten ordnungsgemäß.
00:07:22: Es prüft die Zahlung, akzeptiert Sie und gibt die Bestellungen frei.
00:07:27: Anschließend wird die Ware versendet.
00:07:29: Genau darin kann der Computerbetrug liegen.
00:07:31: Laura benutzt die fremden Zahlungsdaten gezielt, damit das automatisierte System eine Bestellung frei gibt, die es bei Kenntnis der wahren Umstände so nicht frei geben würde.
00:07:42: Und wenn sie das nicht nur einmal macht, sondern über Wochen immer wieder kann natürlich jeder einzelne automatisiert ausgelöste Bestellungen strafrechtlich relevant
00:07:51: sein.".
00:07:59: Die Fälschung beweiserheblicher Daten, da liegt das Problem offenbar schon früher.
00:08:05: Nämlich bei der Einrichtung des Kundenkontos selbst – was wird dort eigentlich gefälscht?
00:08:11: Eine klassische Urkunde aus Papier gibt es ja gerade dort nicht!
00:08:15: Ja man kann sich diese Vorschrift vereinfacht als eine Art digitale Variante der Urkundenfälschungen vorstellen.
00:08:25: Nehmen wir einen Kundenkonto oder einem anderen Online-Händler.
00:08:29: Wenn ich dort jetzt bei Ebay zum Beispiel das Anmeldepformular ausfülle, meinen Namen meine Anschrift und weitere persönliche Daten angebe und das ganze Absende steckt darin eine bestimmte Erklärung – und zwar Ich bin diese Person!
00:08:44: Ich möchte unter diesen Personalien dieses Konto öffnen und künftig unter diesem Namen auf der Plattform auftreten.
00:08:52: Und diese elektronisch gespeicherten Angaben haben auch eine rechtliche Bedeutung.
00:08:56: Der Betreiber muss schließlich wissen, mit wem er es zu tun hat.
00:09:00: Wenn später Forderungen entstehen oder es Probleme mit dem Konto gibt – muss er nachvollziehen können wer sein Vertragspartner ist.
00:09:08: Genau deshalb könnte diese Daten Beweis erheblich sein!
00:09:11: Dann ist das Kundenkonto also mehr als nur irgendein technisches Profil.
00:09:16: Mit den dort hinterlegten Daten wird gegenüber dem Händler gewissermaßen festgehalten, diese Person steht hinter diesem Account und unter dieser Identität wird hier gehandelt.
00:09:27: was passiert dann wenn tatsächlich jemand ganz anderes dieses Konto unter fremden Personalien anlegt?
00:09:33: Da liegt genau das Problem vor.
00:09:35: Stell dir vor die elektronischen Daten würden nicht nur auf einem Server liegen sondern Man würde sie ausdrucken und als Dokument vor sich haben.
00:09:45: Darauf würde sinngemäß stehen, Max hat dieses Konto eröffnet und tritt unter diesem Namen auf.
00:09:51: Tatsächlich stammt diese Erklärung aber gar nicht von Max sondern von Laura.
00:09:56: Derjenige der aus den gespeicherten Daten als Urheber hervorgeht und derjenige, der sie tatsächlich erzeugt hat sind also nicht dieselbe Person.
00:10:07: Und genau darin liegt die Parallel zu unechten Urkunden.
00:10:11: Deshalb kann schon das bewusste Einrichten eines Kundenkontos unter fremden Personalien im Straftatbestand erfüllen.
00:10:20: Es reicht also nicht erst, später irgendwelche Daten in einem bestehenden Konto zu verändern.
00:10:25: Der entscheidende Punkt ist dann die Beweisfunktion dieser Daten.
00:10:29: Ein Fantasiename irgendwo im Internet genügt nicht.
00:10:32: Die gespeicherten Angaben müssen im Rechtsverkehr gerade dazu dienen, eine bestimmte Person oder Erklärung
00:10:39: zuzuordnen.".
00:10:40: So ist es!
00:10:41: Eine beliebige falsche Angabe im Internet reicht nicht automatisch – das hast du genau richtig auf den Punkt gebracht.
00:10:47: Die Daten müssen im Rechtsverkehr eine ja bestimmte Beweisfunktion haben.
00:10:52: Bei einem Kundenkonto geht es gerade darum wer hinter diesem Konto steht ununterwessen Identität dort Geschäfte abgeschlossen werden.
00:11:01: Und wenn jemand ganz bewusst eine fremde Identität hinterlegt, um anschließend unter diesem Namen aufzutreten und darüber Geschäften abzuwickeln dann wären diese falschen Daten auch genau zu diesem Zweck eingesetzt.
00:11:14: Auf unserem Fall übertragen bedeutet das Laura eröffnet das Kundenkonto mit Max-Namen und seinen persönlichen Daten.
00:11:23: Für den Online-Händler sieht das dadurch so aus, als habe Max selbst das Konto angelegt und wolle darüber einkaufen.
00:11:30: In Wahrheit steckt aber Laura dahinter!
00:11:33: Und sie legt das Konte auch nicht versehentlich unter falschen Daten an – ihr Plan ist es ja von Anfang an, unter Max Identität aufzutreten und dieses Konto anschließend für ihre Bestellungen zu nutzen….
00:11:45: Viele würden bei unserem Fall wahrscheinlich trotzdem zuerst an einen ganz normalen Betrug denken.
00:11:50: Schließlich täuscht Laura ja darüber, wer sie ist.
00:11:53: Warum ist es dann kein klassischer Betruch?
00:11:56: Weil ein klassischer betrug das hat mir eben gerade schon gesagt grundsätzlich voraussetzt dass ein Mensch getäuscht wird und sich deshalb irrt.
00:12:05: Nehmen wir mal einen ganz typischen E-Bailbetrug.
00:12:08: Iwand stellt dort einen hochwertigen Gegenstand zum Verkauf an z. B. ein Smartphone Obwohl er dieses Smartphone überhaupt nicht besitzt.
00:12:16: Von Anfang an ist sein Plan folgender – ich kassiere den Kaufpreis, aber eine Ware werde ich niemals verschicken!
00:12:23: Ein Käufer sieht das Angebot und geht natürlich davon aus dass es dieses Smartphones tatsächlich gibt und dass er es nach der Bezahlung auch bekommen wird.
00:12:31: Genau darüber täuscht ihn der Verkäufer….
00:12:34: Der Käufe öhrt sich also aufgrund dieser Täuschung?
00:12:37: Weil er glaubt, einen ganz normalen Kaufvertrag abzuschließen überweist er beispielsweise achthundert Euro auf das Konto des Verkäufer.
00:12:45: Damit verfügt er über sein Vermögen – das Geld ist weg und die versprochene Gegenleistung bekommt er nicht!
00:12:50: Dann haben wir hier den
00:12:56: klassischen
00:12:57: Betrug.".
00:13:03: und läuft diese vermögensrelevante Entscheidung dagegen vollständig automatisiert über ein Datenverarbeitungssystem, kommt statt des klassischen Betrugs der Computerbetrug in Betracht?
00:13:14: Ja.
00:13:15: Du hast es auf den Punkt gebracht!
00:13:16: Wir haben jetzt ziemlich ausführlich darüber gesprochen wie solche Fälle rechtlich einzuordnen sind aber wahrscheinlich interessiert viele mindestens genauso sehr die Frage die eher das Zivilrecht betrifft nämlich muss der geschädigte diese ganzen gekauften Waren bezahlen?
00:13:35: Ja, ich kann es an der Stelle glaube ich sehr kurz halten.
00:13:37: Nein das muss ja nicht weil ein Kaufvertrag ja nicht zwischen dem Geschädigten und dem Onlinehändler zustande gekommen ist sondern zwischen der Person die die Identität des geschädigten angenommen hat und bei dem Online-Händler eben diese Wagen gekauft hat.
00:13:54: Selbst über die Stellvertretungsvoraussetzungen kommen wir auch nicht zu einem Vertragsschluss zwischen dem Geschädigten und dem Online-Händler.
00:14:02: Also kurz rum, nein der Geschädigte muss das am Ende nicht bezahlen, der Online Händler muss sich dann im Ergebnis an...
00:14:09: ...an die Personen wenden, die tatsächlich die Waren auch erhalten hat?
00:14:13: Genau!
00:14:14: Und jetzt eine sehr praktische Frage, wie passiert so etwas überhaupt?
00:14:18: Wie schaffen es Täter unter meinem Namen Bestellungen aufzugeben oder sogar auf meine Konten zuzugreifen.
00:14:26: Da gibt's ganz unterschiedliche Wege, das sind bestimmte Betugsmaschen.
00:14:31: Manchmal ist das technisch aufwändig und manchmal erschreckend banal.
00:14:35: Ein typischer Weg ist unabhängig von unserem Fall Fishing.
00:14:40: Du bekommst zum Beispiel eine E-Mail oder SMS, die aussieht als Chemie sie von deiner Bank, von einem Paketdienst oder von einem bekannten Onlinehändler.
00:14:48: Darin steht dann vielleicht das du dringend deine Daten bestätigen musst oder dass es ein Problem mit einer Lieferung gibt.
00:14:55: Du klickst auf den Link, landest auf einer täuschend echt aussehenden Seite und gibst dort deine Zugangsdaten ein.
00:15:02: Nur landet das Passwort eben nicht bei deiner bank oder beim Händler sondern direkt beim Täter.
00:15:07: Ein anderer Weg sind Datenlecks, wenn bei einem Unternehmen große Mengen an E-Mail-Adressen und Passwörtern abgegriffen werden.
00:15:15: Und du das selbe Passwort auch bei anderen Diensten verwendest, können Täter diese Kombination einfach ausprobieren?
00:15:21: Dann reicht unter Umständen ein einziges Datenleck um gleich mehrere deiner Konten zu
00:15:26: übernehmen.".
00:15:37: Genau und Identitätsmissbrauch bedeutet auch nicht automatisch, dass jemand dein gesamtes digitales Leben übernimmt.
00:15:45: Manchmal reichen schon einzelne Daten, hat es ja gerade schon gesagt.
00:15:49: Name, Adresse, Geburtsdatum – damit lassen sich möglicherweise Verträge anbahnen oder Kundenkonten eröffnen.
00:15:57: Hat jemand zusätzlich Zugriff auf dein E-Mail-Konto?
00:15:59: Wird das noch gefährlicher weil dort häufig Bestellbestätigungen Rechnungen Passwort Resettlings und weitere persönliche Informationen zusammenlaufen.
00:16:10: Deshalb ist das E-Mail-Konto oft ein besonders sensibles Einfallstour, wer dort Zugriff hat kann sich unter Umständen Schritt für Schritt Zugang zu weiteren Diensten
00:16:21: verschaffen.".
00:16:22: Und woran merkt man dann überhaupt dass die eigene Identität gerade benutzt wird?
00:16:27: In unserem Ausgangsfall war es ja erst der Mahnbescheid, der plötzlich im Briefkasten lag.
00:16:33: Das ist tatsächlich ein sehr typisches Wahnsignal,
00:16:36: aber auch ein sehr spätes Wahnsigna.
00:16:38: Stimmt!
00:16:39: Also plötzlich kommt der Mahnbescheid eine Rechnung für etwas das du nie bestellt hast und irgendwann kommt auch Post von einem Inkasso-Unternehmen wie auch in unserem Fall.
00:16:50: es kann aber auch viel früher auffallen.
00:16:52: Du bekommst Bestellbestätigung für ein Einkauf, den du nicht kennst.
00:16:57: Auf deinem Konto erscheint eine Abbuchung die du nicht zuordnen kannst oder du willst dich in deinen E-Mail Account oder einen Online Shop einlocken und dein Passwort funktioniert plötzlich nicht mehr.
00:17:09: auch Nachrichten von Freunden können ein Hinweis sein wenn jemand sagt Du hast mir gerade einen merkwürdigen Link geschickt obwohl das gar nicht warst.
00:17:17: Das sollte man alles ernst nehmen.
00:17:19: Also im Zweifel nicht denken, das wird schon irgendein technischer Fehler sein.
00:17:23: Ganz genau!
00:17:24: Gerade wenn mehrere Dinge zusammenkommen sollte man schnell reagieren.
00:17:29: Der erste Schritt ist aus meiner Sicht – Beweise sichern.
00:17:32: Also die Rechnung nicht wegwerfen, die verdächtige E-Mail nicht sofort löschen, Screenshots von Abbuchungen oder Bestellbestätigung machen und möglichst dokumentieren was wann passiert ist.
00:17:43: Danach sollte man die betroffenen Konten absichern Passwörter ändern und zwar nicht nur bei dem Einkonto, wenn man dasselbe Passwort noch an anderer Stelle verwendet hat.
00:17:52: Und wenn möglich eine Zweifaktor-Authentifizierung einschalten.
00:17:56: Wenn Bank oder Kreditkartendaten betroffen sind sollte man außerdem sofort die Bank oder den Zahlungsdienstleister kontaktieren und prüfen lassen ob weitere Transaktionen erfolgt sind.
00:18:06: Und eine Strafanzeige würdest du auch empfehlen?
00:18:09: Ja auf jeden Fall!
00:18:10: Gerade wenn tatsächlich unter deinem Namen bestellt Geld abgebucht oder ein Konto übernommen wurde.
00:18:16: Zum einen können die Ermittlungsbehörden an Versuchen herauszufinden, wer dahinter steckt?
00:18:20: Zum anderen hast du damit den Vorgang offiziell dokumentiert.
00:18:24: Ein Aktenzeichen kann später sehr hilfreich sein wenn du einem Händler einer Bank oder einem Inkasseunternehmen erklären musst dass hier ein Identitätsmissbrauch vorliegt.
00:18:36: Das bedeutet natürlich nicht das jede Tat sofort aufgeklärt wird.
00:18:40: gerade bei Digitalen Fällen können Täter im Ausland sitzen oder ihre Spuren verschleiern.
00:18:46: Aber deshalb sollte man trotzdem nicht darauf verzichten.
00:18:49: Und was ist mit der Schufe?
00:18:51: Das ist wahrscheinlich einer der größten Sorgen, wenn jemand im eigenen Namen Verträge abschliesst bei uns.
00:18:56: Im Fall war das tatsächlich auch so... Der Betroffene konnte dann auch keine Wohnung mehr anmieten weil die Schufa-Auskunft negativer.
00:19:07: Ja, das ist ein sehr guter Punkt den du gerade angesprochen hast.
00:19:10: Deshalb sollte man auch dort, also bei der Schufa beziehungsweise bei anderen Auskunftteilen prüfen
00:19:16: ob
00:19:16: plötzlich unbekannte Verträge oder Forderungen auftauchen.
00:19:20: Wenn dort etwas eingetragen ist das auf einem Identitätsmissbrauch beruht, sollte man das nicht einfach hinnehmen sondern den Vorgang bestreiten und die entsprechenden Nachweise vorlegen.
00:19:30: Und wie verhindert man dass man überhaupt in eine solche Situation gerät?
00:19:35: Ganz ausschließen kann man das ja wahrscheinlich nie.
00:19:38: Nein, hundertprozentigen Geschütz gibt es nicht.
00:19:40: Wenn ein großes Unternehmen gehackt wird und deine Daten dort liegen, kannst du das selbst kaum verhindern – aber man kann es Tätern deutlich schwerer machen!
00:19:49: Der wichtigste Punkt ist, nicht überall dasselbe Passwort zu verwenden.
00:19:52: Wenn dein Passwort bei einem Dienst bekannt wird, soll es nicht gleichzeitig der Schlüssel zu deinem E-Mailkonto, deinen sozialen Netzwerken oder fünf Online-Shops sein?
00:20:04: Ein Passwort-Manager kann dabei helfen, für jeden Dienst ein eigenes starkes Passwort zu verwenden.
00:20:09: Und wo immer es angeboten wird sollte man eine Zweifaktor-Authentifizierung aktivieren – dann reicht dem Täter das Passwort allein häufig noch nicht.
00:20:18: Und wahrscheinlich auch bei diesen typischen Nachrichten vorsichtig sein, bei denen plötzlich alles ganz dringend sein soll?
00:20:24: Ganz genau!
00:20:25: Fishing lebt sehr stark von Zeitdruck.
00:20:27: Ihr Konto wird gesperrt.
00:20:28: Ihre Zahlung wurde abgelehnt.
00:20:30: Ihr Paket kann nicht zugestellt werden….
00:20:32: alle schon gelesen und gehabt.
00:20:35: Gerade dann sollte man nicht reflexartig auf den mitgeschickten Link klicken, lieber die App oder die Internetseite des Anbieters selbst öffnen und dort nachsehen ob tatsächlich etwas vorliegt.
00:20:45: Und bei persönlichen Daten geht ohnehin je weniger unnötig öffentlich verfügbar ist desto weniger Material haben Täter um eine fremde Identität glaubwürdig nachzubauen.
00:20:56: Dann kann man vielleicht festhalten, Identitätsmissbrauch beginnt häufig sehr unspektakulär mit einer E-Mail einem alten Passwort oder ein paar persönlichen Daten.
00:21:07: Auffallen tut er aber oft erst sehr viel später wenn plötzlich Rechnung, Mahnung oder fremde Abbuchungen auftauchen und dann gilt vor allem nicht ignorieren sondern dokumentieren konnten absichern die betroffenen Stellen informieren ungegebenfalls Anzeige erstatten.
00:21:24: Ja, dem stimme ich zu.
00:21:25: Das ist nochmal eine sehr gute Zusammenfassung gewesen!
00:21:44: Warum bekommt so jemand eigentlich keine richtige Haftstrafe?
00:21:48: oder liegt das vielleicht daran, dass die Gefängnisse ohnehin schon voll sind?
00:21:53: Sascha, vielleicht kannst du einmal für unsere Hörerinnen und Hörern erklären ob so etwas bei der Strafzumessung tatsächlich eine Rolle spielt.
00:22:03: Also schaut ein Gericht bei der Frage, ob jemand ins Gefängnis muss oder eine Bewährungsstrafe bekommt auch darauf wie ausgelastet die Justizvollzugsanstalten gerade sind.
00:22:13: Nein, die Auslastung der Justizvollzugsanstalten spielt bei dieser Entscheidung keine Rolle und darf auch keine Rolle spielen.
00:22:21: Ein Gericht sagt also nicht – eigentlich müsste der Angeklagte ins Gefängnis aber die JVA ist gerade zu voll.
00:22:27: deshalb setzen wir die Strafe zur Bewährung aus.
00:22:29: so funktioniert die Strafzumessung nicht.
00:22:32: Gerade bei Betrugsverfahren kann eine Bewegungsstrafe trotzdem vorkommen auch dann wenn es nicht nur um eine einzelne Tat geht.
00:22:39: Nehmen wieder diese klassischen Ebaybetrüger rein.
00:22:42: Jemand bietet über längere Zeit immer wieder Waren an, die er tatsächlich gar nicht besitzt.
00:22:47: Die Käufe überweisen den Kaufpreis und bekommen aber nie etwas geliefert.
00:22:51: Auf diese Weise können schnell Dutzende oder sogar hundert Geschädigte zusammenkommen.
00:22:56: Trotzdem schaut das Gericht bei der Strafzumessung nicht nur auf die Zahl der Taten oder auf die Gesamtschadensumme – es muss immer den konkreten Täter und dem gesamten Fall betrachten!
00:23:07: Ist jemand bislang strafrechtlich überhaupt nicht in Erscheinung getreten?
00:23:10: Legt da ein Geständnis
00:23:11: ab?!
00:23:12: zeigt er glaubhafte Reue, hat er vielleicht begonnen den Schaden wieder gut zu machen.
00:23:18: All das kann sich Strafmildern auswirken.
00:23:21: Wenn am Ende eine Freiheitsstrafe von höchstens zwei Jahren herauskommt stellt sich zusätzlich die Frage ob diese Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann.
00:23:29: Gerade bei einem Ersttäter kann das je nach Gesamtbild durchaus möglich sein.
00:23:35: Das bedeutet aber nicht dass die Taten folgenlos bleiben.
00:23:38: Die Person ist zu einer Freiheitsstrafe verurteilt Lediglich deren Vollstreckung wird zunächst ausgesetzt und diese Bewährungszeit ist natürlich nicht beliebig.
00:23:47: Wenn er verurteilt in dieser Zeit erneut Einschläge straffällig wird, kann das erhebliche Folgen haben – dann kann es zum einen die bereits gewährte Bewährung widerrufen werden.
00:23:56: Und wenn wegen der neuen Taten ein weiteres Strafverfahren folgt, kann als Gericht dort natürlich auch zu dem Ergebnis kommen dass eine erneute Bewegungsstrafe nicht mehr in Betracht kommt und die Freitstrafe tatsächlich vollstreckt werden muss.
00:24:11: Deshalb kann es durchaus passieren, dass jemand bei einem ersten größeren Betugskomplex noch eine Bewährungsstrafe erhält.
00:24:19: Bei weiteren vergleichbaren Taten aber später tatsächlich ins Gefängnis muss.
00:24:24: Mit der Frage ob in den Gefängnissen gerade genügend Plätze frei sind hat das aber nichts zu tun.
00:24:29: Ja ich glaube, dass das ganz wichtig ist, dass wir das nochmal angesprochen haben weil ja auch ein sehr großes Unverständnis darüber besteht warum jemand eine Bewerungsstraf erhält?
00:24:40: Ja und damit sind wir am Ende unserer heutigen Folge angekommen.
00:24:44: Uns würde interessieren, welche Fragen habt ihr rund um den Identitätsmissbrauch Bestellung unter fremden Namen oder Betrug im Internet?
00:24:53: Vielleicht gibt es auch eine Konstellation bei der ihr euch schon länger fragt wie sie rechtlich eigentlich einzuordnen ist.
00:25:01: Schreibt uns das gerne.
00:25:02: vielleicht greifen wir die eine oder andere Frage in einer der nächsten Folgen oder auf Instagram einmal auf.
00:25:08: ja und wie immer Vielen Dank, dass ihr heute wieder dabei wart und uns zugehört habt.
00:25:13: Und wenn euch die Folge gefallen hat würden wir uns natürlich über eine fünf Sterne Bewertung
00:25:23: freuen!
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