Das vergiftete Pausenbrot
Shownotes
Ein Mitarbeiter wird immer wieder schwer krank. Dann ein zweiter. Schließlich kämpft ein junger Werkstudent um sein Leben. Ärzte stehen jahrelang vor einem Rätsel, bis der Fund auf einem Pausenbrot Ermittlungen ins Rollen bringt, die eine erschütternde Wahrheit ans Licht bringen.
Das erwartet euch:
- Warum wurde der Angeklagte zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, obwohl ein versuchter Mord festgestellt wurde?
- Was bedeutet besondere Schwere der Schuld?
- Und weshalb blieb das Motiv bis heute ungeklärt?
Hinweis: Die Namen der Geschädigten wurden geändert. Der Fall beruht auf einer veröffentlichten Entscheidung.
Quellen:
- LG Bielefeld, Urteil vom 07.03.2019, Az.: 01 Ks-446 Js 169/18-24/18
- BGH, Beschluss vom 22.04.2020, Az.: 4 StR 492/19
Was glaubt ihr: Gibt es für diese Taten überhaupt ein Motiv oder muss man akzeptieren, dass manche Verbrechen nie vollständig erklärt werden können?
Schreibt uns eure Meinung auf Instagram unter hinterderrobe.
Wenn euch die Folge gefällt, freuen wir uns über eine 5-Sterne-Bewertung.
Musik: Harald Bauch von der Heyde, big [arts]
Transkript anzeigen
00:00:00: Es gibt Verbrechen, vor denen man sich kaum schützen kann.
00:00:04: Nicht weil sie perfekt geplant sind sondern weil niemand damit rechnet.
00:00:08: Mehrere Arbeitskollegen werden plötzlich schwer krank.
00:00:11: Ärzte suchen über Jahre nach einer Erklärung und irgendwann zeigt sich dass die Wahrheit erschütternder ist als alles was ich zuvor irgendjemand hätte vorstellen können.
00:00:42: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von hinterher der Robert de Justiz Podcast!
00:00:46: Schön das ihr wieder dabei seid.
00:00:47: mein Name ist Sascha Ich bin Richter am Landgericht
00:00:49: Und ich bin Victoria, ich bin Rechtspflegerin.
00:00:52: Auch heute sprechen wir über einen echten Gerichtsfall – ein Fall der viele Menschen sprachlos gemacht hat und er bis heute zu den außergewöhnlichsten Strafverfahren gehört die deutsche Gerichte beschäftigt haben.
00:01:02: Wir haben uns ganz bewusst für diesen Fall entschieden weil er etwas zeigt das uns beide während der Vorbereitung besonders beschäftigt hat.
00:01:10: Wenn wir an schwere Straftaten denken Denken wir oft an dunkle Gassen An Überfälle oder an Situationen in denen man irgendwie mit Gefahr rechnet?
00:01:21: Aber dieser Fall spielt an einem Ort, an dem vermutlich jeder von uns schon einmal war – nämlich im Pausenraum.
00:01:27: Er zeigt das schwerste Straftaten manchmal mitten im Alltag geschehen dort wo wir uns eigentlich sehr sicher fühlen und erwürft Fragen auf die weit über das Strafrecht hinausgehen.
00:01:38: wie gut kennen wir die Menschen mit denen wir täglich zusammenarbeiten?
00:01:41: warum tut ein Mensch so etwas?
00:01:43: Und wie geht ein Gericht mit einer Tat um deren Motiv bis heute weitgehend im Dunkeln liegt?
00:01:49: Ja, ich würde sagen wir kommen direkt zum Fall oder?
00:01:53: Er öffnet seine Brotdose.
00:01:54: Zuerst nimmt er sein Käsebrot.
00:01:57: wie immer klappt er es vorher auseinander nichts Auffälliges.
00:02:01: dann nimmt er das zweite Brot heraus Putenbrust.
00:02:04: auch dieses Brot klappt der Vorsichtshalber auf und plötzlich sieht er es mitten auf dem Belag liegt ein weißes Pulver.
00:02:12: Er beißt nicht hinein.
00:02:13: Stattdessen fotografiert er das Boot mit seinem Handy, zeigt es seinem Meister und legt es zurück in die Brotdose.
00:02:20: Bis zum Ende seiner Schicht bleibt sie eingeschlossen in seinem Spind – dann bringt er sie persönlich zur Polizei!
00:02:25: Es ist nicht das erste Mal, dass ihm auf seinen Pausenbroten eine merkwürdige Substanz auffällt.
00:02:30: Wochen zuvor hat er sich noch eingeredet — es müsse Schmutz aus seinem Rucksack sein.
00:02:35: Er hat den Rucksacks sogar ausgesaugt.
00:02:37: Doch das Pulver ist immer wieder aufgetaucht….
00:02:40: Diesmal will er Gewissheit.
00:02:42: Der Arbeitgeber reagiert sofort, im Pausenraum werden mit Zustimmung des Betriebsrates heimlich Überwachungskameras installiert.
00:02:51: Was diese Kameras kurze Zeit später aufzeichnen wirkt wie eine Szene aus einem Kriminalfilm – ein Mitarbeiter wartet einen unbeobachteten Moment ab!
00:03:00: Er nimmt die Brotdose seines Kollegen aus dessen Rucksack, öffnet sie, bestreut die belegten Brote mit einer pulverförmigen Substanz, verschließt die Dose wieder sorgfältig und legt sie zurück – als wäre nie etwas geschehen.
00:03:14: Kurz darauf wird der Mann festgenommen.
00:03:16: Bei seiner Festnahme trägt er sogar noch ein Flaschen mit einer bleihaltigen Substance bei sich!
00:03:21: Noch ant niemand, dass dieser Fund die Erklärung für ein Rätsel liefern wird an dem Ärzte seit Jahren verzweifeln und nicht nur ein versuchter Giftanschlag aufgeklärt werden wird sondern eine Geschichte, die bereits Jahre zuvor begonnen hat.
00:03:35: Meere Mitarbeiter des selben Unternehmens erkranken immer wieder schwer – Ein langjähriger Arbeitskollege leidet über Jahre hinweg unter rätselhaften Bauchkämpfen Blutarmut Magenblutungen und Erbrechen.
00:03:48: Immer wieder muss er stationär behandelt werden.
00:03:51: Die Ärzte finden keine Ursache, später versagen seine Nieren vollständig – bis heute ist der Dauerhaft auf Dialyse angewiesen!
00:03:58: Ein junger Werkstudent kehrt eines Tages ungewöhnlich erschöpft von der Arbeit nach Hause zurück.
00:04:04: Wenige Wochen später kann er kaum noch laufen und sprechen.
00:04:08: Schließlich stellen die Ärzte eine äußerst seltene Vergiftung mit einer organischen Quecksilberverbindung fest.
00:04:14: Trotz aufwendiger Spezialbehandlung erleidet der schwerste Hirnschäden, er verleht sämtliche kognitiven Fähigkeiten, muss künstlich ernährt und beatmet werden und bleibt ein Schwerstpflegefall.
00:04:26: Ein weiterer Arbeitskollege erleidet ebenfalls schwerste Nierenschäden.
00:04:30: Er überlebt, muss aber bis heute mit der ständigen Angst leben dass seine vorgeschädigten Nieren bereits durch eine eigentlich harmlose Infektion endgültig versagen könnten.
00:04:40: Alle drei Männer arbeiteten in derselben Abteilung und alle drei hatten denselben Kollegen – Klaus.
00:04:47: Nach außen wird Klaus wie ein unauffälliger Mann, doch dieser Eindruck ändert sich schlagartig als die Ermittler sein Wohnhaus durchsuchen.
00:04:55: Denn dort machen sie einen Fund der den gesamten Fall in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt.
00:04:59: – Klaus hat seine Taten über Jahre hinweg vorbereitet.
00:05:03: Im Keller hat er sich über Jahre ein eigenes Labor eingerichtet.
00:05:07: Er hat Chemikalien, Laborgeräte und Schutzmaterial beschafft, Giftstoffe hergestellt und sich intensiv mit deren Wirkungsweise beschäftigt.
00:05:16: In handschriftlichen Aufzeichnungen und umfangreichen Internetrecherchen finden die Ermittler detaillierte Informationen über hochgiftige Schwermetalle, andere toxische Stoffe sowie deren Auswirkung auf den menschlichen Körper.
00:05:29: Die Ermittlungen werden daraufhin erheblich ausgeweitet.
00:05:32: Die Mordkommission überprüft zahlreiche weitere Krankheits- und Todesfälle aus dem Unternehmen und stößt auf insgesamt einundzwanzig weitere Verdachtsfälle.
00:05:42: Ob Klaus auch hierfür verantwortlich ist, hat sich jedoch nicht mit der für ein Strafverfahren erforderlichen Sicherheit nachweisen lassen.
00:05:49: Fest steht aber – über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren hat Klaus mehrere seiner Arbeitskollegen immer wieder heimlich mit hochgiftigen Stoffen vergiftet.
00:05:58: Am Ende muss sich Klaus deshalb vor dem Landgericht Bielefeld verantworten!
00:06:03: Und wenn man diesen Sachverhalt hört, stellt sich wahrscheinlich jeder dieselbe Frage.
00:06:07: Wer war dieser Mann eigentlich?
00:06:09: Sascha was wissen wir eigentlich über
00:06:11: Klaus?".
00:06:12: Ja bei Klaus ergibt sich zunächst ein Bild das wahrscheinlich viel überraschen wird.
00:06:16: auf der Anklagebank saß kein Mann den seine Kollegen als aggressiv oder gewalttätig beschrieben hätten.
00:06:22: ganz im Gegenteil er war zum Zeitpunkt der Hauptwanderung bereits über sechzig Jahre alt nicht vorbestraft und arbeitete seit fast vier Jahrzehnten in selben Unternehmen.
00:06:32: Nach außen führte ein eher unauffälliges und zurückgezogenes Leben.
00:06:36: Seine Kindheit war allerdings alles anderer als einfach, er wuchs als Jüngstes von drei Kindern in sehr ärmlichen Verhältnissen auf.
00:06:44: die Familie lebte in einer kleinen Wohnung ohne eigene Toilette.
00:06:47: seine Mutter war psychisch schwer belastet um mit der Erziehung der Kinder völlig befordert.
00:06:52: sein Vater bemühte sich zwar die Familie irgendwie zusammen zu halten schafft es aber nicht den Kindern Halt und feste Strukturen zu geben.
00:07:00: Hinzu kam Gewalterfahrung innerhalb der Familie.
00:07:04: Schon als Kind galt Klaus eher als Einzelgänger, er spielte meist für sich allein und klüpfte nur wenige Engelkontakte.
00:07:12: Trotz dieser schwierigen Voraussetzung schloss er die Schule – und später auch eine Ausbildung zum Betriebsschlosser erfolgreich ab.
00:07:19: Anschließend blieb er seinem Arbeitgeber fast vierzig Jahre lang treu!
00:07:23: Auch privat verlief sein Leben zunächst effektiveweise unauffällig.
00:07:28: Er heiratete wurde Vater von zwei Kindern und wurde von Freunden und Bekannten später sogar als aufmerksamer und liebevoller Familienvater beschrieben.
00:07:38: Im Laufe seines Lebens befand sich Klaus außerdem mehrfach in neurologischer und psychiatrischer Behandlung, welche Diagnosen allerdings dahinter standen konnte nicht mehr festgestellt
00:07:48: werden.".
00:07:49: Ich finde das ehrlich gesagt noch erschreckender, dass es einfach so unauffällig ist.
00:07:54: Man hört diese Biografie und denkt zunächst an einen völlig unaufhelligen Menschen.
00:07:59: Ich ertapp mich dabei, dass ich automatisch darüber nachdenke wie diese Tat zu erklären ist.
00:08:05: Geht das einem Gericht genauso?
00:08:07: Ja ein Gericht versucht immer den Menschen hinter der Tat zu verstehen Aber verstehen bedeutet nicht entschuldigen.
00:08:13: Eine schwierige Kindheit oder persönliche Krisen erklären eine Tat vielleicht teilweise, sie nehmen dem Täter aber nicht die strafrechtliche Verantwortung?
00:08:22: Ja da hast du recht!
00:08:24: Wir haben jetzt Klaus als Person kennengelernt, aber im Mittelpunkt eines Strafverfahrens stehen natürlich vor allem die Menschen, die von der Tat betroffen waren.
00:08:33: Schauen wir uns deshalb einmal an was den einzelnen Geschädigten genau passiert ist und welche strafrechlichen Konsequenzen Klaus Handeln hatte.
00:08:42: Schauen wir uns zunächst den ersten Geschädigten an, es handelt sich um einen Arbeitskollegen von Klaus und wir haben ihn Erik genannt.
00:08:50: Klaus verabreichte ihm spätestens ab Anfang twenty-fünfzehn bis in das Jahr zwei tausend achtzehn hinein immer wieder hochgiftige Schwermeteilverbindungen.
00:08:59: Zunächst handelte er sich um Bleiverbindung später zusätzlich um Kratmium.
00:09:05: Wie genau Klaus die Stoffe verabreichte, ließ sich zwar nicht mehr sicher aufklären.
00:09:10: Das Gericht hielt es aber für wahrscheinlich dass er in unbeobachteten Momenten blei acetatehaltiges Pulver in die Getränke seines Arbeitskollegen mischte.
00:09:21: Zunächst verlief die Vergiftung schleichend.
00:09:23: Eriglid immer wieder insbesondere unter starken Bauchschmerzen, Magenkrämpfen, Blutarmutverstopfungen, Erbrechen und Magenblutung.
00:09:33: Immer wieder musste er deshalb stationär im Krankenhaus behandelt werden.
00:09:37: Die Ärzte konnten seine Beschwerden zwar behandeln, fanden aber über Jahre hinweg keine Ursache dafür.
00:09:43: Auffällig war nur, kaum hatte sich sein Gesundheitszustand gebessert Kehrtherr in seinen Arbeitsplatz zurück, verschlechterte er sich kurze Zeit später erneut.
00:09:53: Im Jahr im Jahr zwei Tausend Achtzehn kam es schließlich zu einer dramatischen Wendung.
00:09:58: nachdem Klaus ihm zusätzlich Cardmium verabreicht hatte also ein Pulvergemisch aus Bleiacetat und Cardmum erlitt Erik ein akutes Nierenversagen das ihn eine dauerhafte Nireninsuffizienz mündete.
00:10:12: Er musste notfallmäßig ins Krankenhaus eingeliefert werden und wurde circa drei Wochen behandelt.
00:10:17: Er litt unter starken Schmerzen, er hielt Morphium um überhaupt schlafen zu können – seitdem ist der dauerhaft auf eine Dialyse angewiesen.
00:10:26: Die Folgen begleiten ihn bis heute.
00:10:28: Erexnieren sind in Folge der Aufnahme des Bleierzitats und des Cardmiums dauerhaft geschädigt.
00:10:34: Er ist dauerhaft arbeitsunfähig, muss dreimal pro Woche für jeweils vierundhalb Stunden zur Dialyse.
00:10:40: Darf täglich nur noch etwa ein Liter Flüssigkeit und nur noch Schonkost zu sich nehmen und leidet bis heute unter den körperlichen und psychischen Folgen der
00:10:49: Vergiftung.".
00:10:50: Zudem leidet er an kognitiven Folgen, so ist seine Wortfindung seither etwas eingeschränkt.
00:10:57: Hinzu kommen erhebliche finanzielle Belastungen für ihn und seine Familie – und langfristig kann die Vergiftung zu Karzinomen führen also zur bösartigen Krebserkrankung.
00:11:07: Wie hat das Landgericht diese Taten rechtlich eingeordnet?
00:11:11: Also das Gericht hat jetzt zwischen den einzelnen Vergiftungen unterschieden.
00:11:15: Die wiederholten Vergiftung mit Bleiverbindungen wertete das Gerich jeweils als gefährliche Körperverletzung, die jeweils verabreichten Bleiverbindungen stellen Gift und damit ein besonders gefährliches Tatmittel dar.
00:11:29: Bei einer der späteren Taten kam es dann jedoch zu einer deutlichen Eskalation wie du es gerade auch schon beschrieben hast.
00:11:35: Klaus verabreichte Erik zu dem Bleiazitat zusätzlich Katmium.
00:11:40: Dadurch erlitt diese ein irreparables Nierenversagen, seitdem ist der auf eine lebenslange Dialyse angewiesen.
00:11:47: Dauerhaft arbeitsunfähig, stark in der körperlichen Leistungsfähigkeit eingeschränkt und in der Möglichkeit der Flüssigkeitsaufnahme begrenzt.
00:11:54: Deshalb blieb es hier nicht nur bei einer gefährlichen Körperfletzung – das Gerichtnahm aufgrund der dauerhaften und besonders gravierenden gesundheitlichen Schäden zusätzlich eine schwere Körperverletzung an.
00:12:07: Das Gericht ging sogar davon aus, dass Klaus diese schweren Folgen wissentlich herbeiführte.
00:12:13: Aufgrund seiner jahrelangen Beschäftigung mit den verwendeten Giftstoffen wusste er ganz genau welche Folgen sein Handeln haben würde.
00:12:21: Außerdem war dieser letzte Vergiftung konkret lebensgefährlich – deshalb lag neben der wisstlichen, schweren Körperverleihung zugleich auch eine gefährliche Körperverlegung vor.
00:12:31: Kannst du uns einmal erklären, was der Unterschied zwischen einer schweren Körperverletzung und einer gefährlichen Körperverlettung ist?
00:12:38: Also bei eine gefährlichen Körperverletzungen ist vor allem die Art und Weise der Tat besonders gefährlich.
00:12:43: Entscheint es also wie die Körperverleitung begangen wird zum Beispiel mit einem Messer, wie hier durch Gifts, durch einen hinterlistigen Überfall oder gemeinschaftlich mit einer weiteren Person oder durch eine Behandlung, die das Leben gefährden kann.
00:12:59: Eine Tatsache, die schwere oder dauerhafte Verletzung muss dabei nicht eintreten.
00:13:04: Auch eine vergleichsweise kleine Wunde kann eine gefährliche Körperverletzung sein wenn sie zum Beispiel mit einem Messer verursacht wird.
00:13:12: und bei der schweren Körperverlettung kommt es hingegen auf eine besonders schwerwiegende dauerhafte Folge an.
00:13:19: dazu gehören etwa Der Verlust des Sehvermögens, der Verluste eines wichtigen Körperglieds erhebliche dauerwerte Entstellungen eine dauerhafte Lehmung oder ähnliches.
00:13:32: Und daran sieht man auch, wie gravierend das Gesetz zwischen den einzelnen Körperverletzungsdelikten unterscheidet.
00:13:40: Während für eine gefährliche Körperverlettung eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren vorgesehen ist beginnt die Strafe bei einer wissentlichen schweren Körperverleihung bereits bei drei Jahren Freiheitstrafe.
00:13:53: Also bedeutet das, bei der gefährlichen Körperverletzung ist das Tatmittel oder die Tatausführung gefährlich.
00:13:59: Und bei der schweren Körperverlettung ist das Ergebnis besonders schwer und dauerhaft?
00:14:04: Ganz genau!
00:14:05: Okay, der zweite Geschädigte ist Friedrich – so haben wir ihn genannt.
00:14:09: Sein Schicksal unterscheidet sich allerdings noch einmal deutlich von Erichs.
00:14:14: Klaus verabreichte ihm im Sommer of two thousand sixteen eine hochgiftige mediulierte Quecksilberverbindung.
00:14:21: wie genau dies Geschah, ließ sich zwar nicht mehr sicher aufklären aber das Gericht hielt es für wahrscheinlich das Klaus Friedrichs mitgebrachten Lebensmittel während der Arbeitszeit unbemerkt mit Gift versetzte.
00:14:35: Zunächst bemerkte Friedrich lediglich dass er sich ungewöhnlich müde fühlte.
00:14:39: Er musste sich erbrechen und klagte über Taubheitsgefühle in den Fingern.
00:14:44: Aus dem sportlichen jungen Mann wurde innerhalb weniger Wochen ein Mensch, der kaum noch das Sofa verlassen konnte und selbst zum Handballtraining war er nicht mehr in der Lage.
00:14:54: Die Beschwerden nahmen dann immer weiter zu.
00:14:57: Seine Sprache wurde zunehmend langsamer seine Bewegung unsicherer und Angehörige beschrieben später dass er torkelte als Stünder unter Alkoholeinfluss.
00:15:07: Schließlich konnte er kaum noch laufen oder sprechen.
00:15:10: Zunächst ging die behandelnden Ärzte von einer neurologischen Erkrankung aus, erst nachdem sich sein Zustand trotz verschiedener Behandlungen immer weiter verschlechterte und zusätzlich ein akutes Nieren-und Leberversagen auftrat, fanden die Ärzten schließlich die Ursache.
00:15:26: Ende September, Jahrzehnte stand fest, Friedrich war mit einer medilierten Quecksilverbindung vergiftet worden.
00:15:34: Zu diesem Zeitpunkt war es jedoch bereits zu spät – obwohl sogar ein in Deutschland kaum verfügbares Medikament aus dem Ausland beschafft wurde und die Ärzte sämtliche Möglichkeiten ausschöpften, ließ sich die Vergiftung nicht mehr rückgängig machen.
00:15:49: Seitdem leidet Friedrich an schwersten und irreparablen Hirnschäden.
00:15:53: Er wird künstlich ernährt und beatmet, ist rund um die Urpflege bedürftig und wird bis heute von seinen Eltern versorgt.
00:16:01: Sein Gesundheitszustand wird sich niemals
00:16:03: verbessern.".
00:16:04: Sascha rechtlich geht das Landgericht hier noch einen Schritt weiter.
00:16:08: Es hat den Angeklagten nicht nur wegen einer wissentlichen, schweren und gefährlichen Körperverletzung sondern sogar wegen versuchten Mordes verurteilt.
00:16:17: Wie begründet das das Gericht?
00:16:19: Der entscheidende Punkt war der Tütungsvorsatz.
00:16:22: Das Gericht war davon überzeugt dass Klaus wusste wie gefährlich die von ihm eingesetzte mediulierte Quecksilberverbindung.
00:16:31: Er hatte sich über Jahre intensiv mit ihrer Wirkung beschäftigt und wusste deshalb, dass schon eine einmalige Vergiftung voraussichtlich tödlich verlaufen konnte.
00:16:41: Nach Auffassung des Gerichts nahm Klaus den Tod von Friedrich, deshalb zumindest billigenen Kauf.
00:16:47: Das Friedrich überlebte, änderte daran nichts – Klaus hatte bereits alles getan was aus seiner Sicht erforderlich war um den Tod herbeizuführen!
00:16:57: Das Friedrich heute noch lebt, ist allein der schnellen und hochspezialisierten medizinischen Behandlung zu verdanken.
00:17:03: Und welches Mordmerkmal hat das Gericht angenommen?
00:17:06: Ja, das Mord-Merkmal der Heimtücke!
00:17:08: Friedrich rechnete während seiner Arbeit selbstverständlich nicht damit von einem Kollegen heimlich vergiftet zu werden – genau diese Arg-und Wehrlosigkeit nutzte Klaus bewusst aus.
00:17:18: Interessant ist aber dass das Gerich sonstige mögliche Mordmärkmale wie zum Beispiel niedrige Beweggründe oder Grausamkeit verneinte bzw.
00:17:28: nicht sicher feststellen konnte.
00:17:30: Das Gericht konnte nämlich nicht feststellen, warum Klaus überhaupt handelte!
00:17:34: Sein Motiv blieb bis zum Schluss ungeklärt – deshalb lehnte das Gericht sowohl niedrige Wegründe die ja besonders verwerflich sein müssen als auch das Mordmerkmal der Grausammkeits, die eine gefühlose unbarmherzige Gesinnung verlangt ab….
00:17:51: Klaus wurde teilweise ja durchaus als liebevoll und empfindsam beschrieben, sodass gewichtige Anhaltspunkte dafür vorlagen dass es sich hierbei auch um eine demonstrative Haltung handeln kann welche nicht zwingt.
00:18:06: Auch dem inneren Erleben von Klaus entsprechen muss.
00:18:09: Neben einer Strafwachheit wegen Versuchtenmordes nahm das Gericht, wie du ja auch bereits gesagt hast.
00:18:13: Auch eine wissentliche schwere Körperverletzung an.
00:18:16: Friedrich wird aufgrund der Ehre parablen Hirnschäden niemals wieder ein eigenständiges Leben führen können und Klaus wusste auch dass diese schweren Folgen eintreten würden.
00:18:27: Und außerdem lag auch eine gefährliche Körperverleitung vor weil die Vergiftung von Anfang an lebensgefährlich war.
00:18:33: Kommen wir zum dritten Geschädigten, wir haben ihn Dustin genannt.
00:18:37: Auch Dustin war Arbeitskollege von Klaus und zum Zeitpunkt der ersten Vergiftung gerade einmal twenty-fünf Jahre alt.
00:18:43: Klaus verabreichte ihm ab Anfang des Jahres zwei Tausend siebzehn mehrfach hochgiftige Blei- und Cardmiumverbindungen.
00:18:51: Wie schon bei den anderen Geschädigten ließ ich nicht mehr sicher aufklären, wie genau dies geschah.
00:18:56: Das Gericht hielt es jedoch auch hierfür wahrscheinlich das Klaus die von Dustin mitgebrachten Lebensmittel während der Arbeitszeit heimlich mit den Giftstoffen versetzte.
00:19:06: Schon nach der ersten Vergiftung verschlechterte sich der Gesundheitszustand des bis dahin sehr sportlichen jungen Mannes erheblich.
00:19:14: Er litt unter Atemnot, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen und einer deutlich eingeschränkten
00:19:21: Nierenfunktion.".
00:19:22: Die Ärzte fanden zwar den schweren Nierenschaden, konnten dessen Ursache jedoch zunächst nicht erklären.
00:19:29: Nach einer längeren krankheitsbedingten Abwesenheit kehrte Dustin schließlich an seinen Arbeitsplatz zurück – doch anstatt von weiteren Taten abzusehen vergiftete Klaus ihn erneut.
00:19:40: Dies führte zu einem akuten Nierenversagen und einem weiteren Krankenhausaufenthalt.
00:19:46: Wieder fanden die Ärzte keine eindeutige Ursache für die Beschwerden und selbst damit hörte Klaus nicht auf.
00:19:53: Nachdem Dustin seine Arbeit erneut aufgenommen hatte, setzte Klaus seine Taten fort, erstreute mehrfach Pulver auf die von Dustin mitgebrachten Pausenbrote und legte diese anschließend wieder zurück in dessen Rucksack.
00:20:06: Diesmal wurde Dustin jedoch misstrauisch, er bemerkte die auffälligen Rückstände auf seinen Bruten und ahs sie nicht mehr.
00:20:13: Deshalb kam es zu keiner weiteren gesundheitlichen Verschlechterung.
00:20:17: Die Folgen der vorherigen Vergiftungen bleiben jedoch bis heute bestehen.
00:20:21: Dustin elit einen dauerhaften Nierenschaden, zwar kann er heute wieder arbeiten seine Nieren sind jedoch dauerhaft vorgeschädigt.
00:20:30: selbst eine gewöhnliche Infektion kann künftig dazu führen dass sie vollständig versagen und eine Dialyse erforderlich wird.
00:20:37: außerdem besteht ein erhöhtes Risiko für spätere Krebserkrankung.
00:20:42: Sascha Dastin hat doch ebenfalls einen dauerhaften Nierenschaden erlitten.
00:20:47: Trotzdem hat das Gericht hier, anders als bei den anderen Geschädigten nur eine versuchte wissentliche schwere Körperverletzung angenommen – warum?
00:20:57: Der Grund liegt in den besonders strengen Voraussetzungen für die Annahme einer schweren Körperverlettung.
00:21:03: Das Gericht musste prüfen ob die Vergiftungen bei Dustin bereits zu einem sogenannten Sichtum geführt hatten.
00:21:10: Gemeint ist damit ein dauerhaft schwerer körperlicher Verfall, der das Leben des Betroffenen auf lange Sicht prägt.
00:21:18: Und soweit gingen die Folgen bei Daste nach Auffassungsgerichts nicht!
00:21:23: Er erlitt zwar erhebliche und bleibende Nierengeschäden – er kann jedoch weiterhin arbeiten und ein weitgehend selbstständiges Leben führen.
00:21:31: Deshalb war die schwere Körperfletzung noch nicht
00:21:33: vollendet.".
00:21:35: Gleichzeitig war das Gericht darüber überzeugt, dass Klaus genau diese schweren Folgen herbeiführen wollte beziehungsweise zumindest billigen Kaufnahmen.
00:21:44: Deshalb blieb es beim Versuch der wissentlichen schweren Körperverletzung.
00:21:49: Daneben lag übrigens auch noch eine gefährliche Körperverleitung vor weil Klaus das den hochgiftige Blei- und Katmungverbindungen verabreichte.
00:21:58: Bevor wir auf das konkrete Strafmaß zu sprechen kommen, müssen wir noch eine grundlegende Frage klären.
00:22:04: War Klaus überhaupt voll schuldfähig?
00:22:07: Gerade bei einer Tatserie wie dieser fragen sich wahrscheinlich viele ob ein Mensch der über Jahre hinweg seine Arbeitskollegen heimlich vergiftet psychisch krank gewesen sein muss.
00:22:18: Deshalb hat das Gericht hierzu einen psychiatrischen Sachverständigen beauftragt
00:22:23: Und dieser psychiatrische Sachverständige hatte sehr gründlich geprüft, ob bei Klaus eine psychische Erkrankung vorlagte die seine Schuldfähigkeit hätte einschränken oder sogar ausschließen können.
00:22:33: Dabei hat der psychiatrischer Sachverständiger praktisch alle naheliegenden Möglichkeiten untersucht.
00:22:38: er hat sich mit Klaus Familiengeschichte beschäftigt Mit möglichen psychischen Erkankungen seiner Persönlichkeit seinem Verhalten vor während und nach den Taten sowie auch mit der Frage ob frühere Verletzungen oder sogar der Umgang mit den Giftstoffen selbst Auswirkungen auf seine Psyche gehabt haben könnten.
00:22:59: Und der Sachverständige kam zwar zu dem Ergebnis, dass Klaus eher zurückgezogen lebte und leichte autistische Züge bzw eine schizuide Persönlichkeits-Akzentuierung aufwies – das sind aber für sich genommen keine Erkrankungen die die Schuldfähigkeit aufheben oder erheblich vermindern.
00:23:19: Klaus war also voll schuldfähig!
00:23:21: Das Gericht hat sich dieser Einschätzung angeschlossen.
00:23:25: Besonders überzeugend war für das Gericht dabei auch Klaus planvolles Vorgehen, er bereitete seine Taten über Jahre hinweg sorgfältig vor, handelte äußerst zielgerichtet und traf immer wieder Vorkehrungen um nicht entdeckt zu werden.
00:23:40: Und Alda spricht eindeutig dafür dass ihm das Unrecht seines Handelns bewusst war und er sein Verhalten jederzeit steuern konnte.
00:23:49: Wir haben damit kommen wir jetzt zum konkreten Strafmaß.
00:23:52: Das Landgericht Bielefeld verurteilte Klaus zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe, außerdem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest und ordnete zusätzlich die Sicherungsverbarung an – das ist im Grunde die schärfste Sanktion, die das deutsche Strafrecht überhaupt kennt.
00:24:08: wenn man sich Die Verurteilung anschaut, dann waren das im Kern schwere Körperverletzungsdelikte und bezüglich Friedrich ein versuchter Mord.
00:24:18: Eine lebenslange Freiheitsstrafe verbindet man doch normalerweise mit einem vollendeten Mord – sie wird bei Mordversuchen nur sehr selten verhängt.
00:24:27: Wie kommt das Gericht hier trotzdem zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe?
00:24:31: Warum war es trotz des in Anführungszeichen nur Versuchtenmords ausnahmsweise
00:24:36: möglich?".
00:24:38: Grundsätzlich hast du völlig recht.
00:24:39: Im deutschen Strafrecht gilt, für eine Tat nur versucht wird in der Regel Milder bestraft als jemand, der sie vollendet.
00:24:47: Das Gesetz eröffnet dem Gericht deshalb die Möglichkeit den sogenannten Strafrahmen nach unten zu verschieben Und diese Strafenmilderung ist aber nicht zwingend.
00:24:57: Es gibt Ausnahmefälle, in denen ein Gericht sagt Auch wenn der Erfolg ausgeblieben ist, wiegt die Tat so schwer dass eine mildere Bestrafung nicht gerechtfertigt wäre.
00:25:08: Und genau einen solchen Ausnahmefall hat das Landgericht hier angenommen.
00:25:12: Und wonach beurteilt das Gericht einen solchen Aussnahmefall?
00:25:15: Dafür hat das Gerich vor allem auf drei Gesichtspunkte geschaut, wie nah war die Tat der Vollendung, wie gefährlich war der Versuch und mit welcher kriminellen Energie ist der Täter vorgegangen.
00:25:27: Nach Auffassung des Gerichts sprach hier alles dafür, die Strafe nicht zu mildern.
00:25:33: Besonders wichtig war dabei, dass Friedrich nur durch außergewöhnlich schnelle und hochspezialisierte medizinische Hilfe überlebt hat.
00:25:41: Es war also nicht Klaus der vor seiner Tat Abstand genommen oder sie verhindert hat.
00:25:46: Das Friedrich noch lebt, war letztlich allein dem außergewölligen Einsatz der behandelnden Ärzte zu verdanken.
00:25:52: Hinzu kam die verheerenden Folgen der Tat.
00:25:55: Friedrich hat sämtliche kognitiven Fähigkeiten verloren Er wird künstlich ernährt und beatmet, benötigt rund um die Uhr Pflege und wird niemals wieder ein selbständiges Leben führen können.
00:26:07: Das Gericht beschreibt das an einer Stelle sehr eindrücklich – er stellt fest dass von allem was ein menschliches Leben ausmacht bei Friedrich nahezu nichts mehr geblieben ist.
00:26:18: Auch für seine Familie habe die Tat das gesamte Leben verändert.
00:26:23: Seine Eltern pflegen ihn seit Jahren rund um die Uhr und seinen Vater schilderte vor Gericht, dass er selbst nicht mehr leben wolle aber auch nichts sterben dürfe weil er sein Sohn nicht allein lastende könne.
00:26:34: Vor diesem Hintergrund kam das Gericht dem Ergebnis, dass die Folgen dieses Mordversuchs kaum weniger gravierend seien als die eines vollendeten Mordes.
00:26:44: Und deshalb hat es ausnahmsweise auf eine Strafwälderung verzichtet und Klaus trotz des lediglich versuchten Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.
00:26:53: Bevor wir weitermachen, sollten wir vielleicht noch einmal mit einem weit verbreiteten Mythos aufräumen.
00:26:59: Viele glauben nämlich eine lebenslange Freiheitsstrafe bedeutet in Deutschland automatisch, dass jemand nach fünfzehn Jahren wieder frei kommt – das stimmt so aber nicht!
00:27:09: Nach fifteen Jahren wird lediglich erstmals geprüft ob eine Entlassung auf Bewährungen überhaupt in Betracht kommt, ob es tatsächlich passiert hängt vom Einzelfall ab und ist keineswegs selbstverständlich.
00:27:21: Eine lebenslange Freiheitsstrafe bedeutet deshalb tatsächlich zunächst genau das, was ihr Name sagt – nämlich Lebenslang.
00:27:28: Es gibt Verurteilte die nach deutlich mehr als fünfzehn Jahren entlassen werden und es gibt auch Fälle in denen ein Täter bis zu seinem Tod im Gefängnis bleibt.
00:27:37: Darüber haben wir schon auf Instagram gesprochen.
00:27:39: Aber kommen wir zurück zum Fall.
00:27:42: Mit der lebenslangen Freiheitsstrafe war das Urteil ja noch nicht beendet, das Gericht hat zusätzlich auch die besondere Schwere der Schuld festgestellt.
00:27:50: diesen Begriff hört man immer wieder bei besonders schweren Straftaten.
00:27:55: was genau dahinter steckt wissen aber die wenigsten Sascha.
00:27:58: Was bedeutet die Feststellung der besonderen schwere der schuld eigentlich und warum prüft das gerichtes überhaupt?
00:28:05: Die besondere Schwere der Schuld ist zunächst einmal keine zusätzliche Strafe.
00:28:09: Sie entscheidet auch nicht darüber, ob jemand lebenslang verurteilt wird.
00:28:12: Das steht in diesem Moment bereits fest.
00:28:15: Vielmehr fragt das Gericht – wie schwer wiegt die Schuld des Täters im Vergleich zu anderen Fällen, in denen ebenfalls eine lebenslange Freienstrafe verhängt wird?
00:28:23: Denn auch unter den Taten, die mit lebenslongerfreien Strafen bestraft werden gibt es erhebliche Unterschiede.
00:28:31: Manche Fälle wiegen schwer andere noch einmal deutlich schwerer.
00:28:36: Stellt das Gericht deshalb die besondere Schwere der Schuld fest, hat es vor allem Auswirkungen auf die spätere Vollstreckung der Strafe.
00:28:42: Dann reicht es in der Regel nicht aus, dass fünfzehn Jahre vergangen sind – eine Entlassung auf Bewährung kommt dann regelmäßig erst deutlich später in Betracht!
00:28:52: Wie viele Jahre tatsächlich verbüßt werden lässt sich allerdings nicht pauschal sagen….
00:28:56: Das hängt immer vom Einzelfall und von der späteren Entscheidung.
00:29:02: Mit der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld bringt das Gericht also zum Ausdruck, dass dieser Fall nach seiner Bewertung ja noch einmal erheblich über dem liegt was selbst für eine lebenslange Freitstrafe typisch ist.
00:29:15: Es kommt also auf eine Gesamtwürdigung an – Das Gericht muss alle Für und gegen den angeklagten sprechenden Umstände in den Blick nehmen und sowohl die Tat als auch die Persönlichkeit des Täters bewerten.
00:29:28: Entscheidend ist dabei ob das gesamte Tatbild einschließlich der Beweggründe, der Art der Tatausführung und der Täterpersönlichkeit so außergewöhnlich schwer wiegt dass es sich deutlich von anderen Fällen unterscheidet in denen ebenfalls eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängt wird.
00:29:46: Genau!
00:29:47: Und bei dieser Gesamtwürdigung hat das Gericht nicht nur auf den versuchten Mord zu Lasten von Friedrich geschaut Es hat vielmehr das ganze Tatgeschehen in den Blick genommen.
00:29:56: Dabei spielte zunächst eine Rolle, dass Klaus nicht nur eine einzelne Tat begangen hatte.
00:30:02: Insgesamt lagen der Verurteilung zehn Straftaten gegen das Leben und die körperliche Unversehrtheit zugrunde.
00:30:08: Über ein Zeitraum von mehr als drei Jahren vergiftete er immer wieder seine Arbeitskollegen.
00:30:13: Besonders belastend war außerdem, dass die Opfer keine Zufallsopfer waren – es handelt sich um Kollegen mit denen Klaus zum Teil viele Jahre mit einem sogar mehrere Jahrzehnte zusammengearbeitet.
00:30:26: Gerade dieses Vertrauen nutzt er aus.
00:30:29: Alle drei Männer rechneten an ihrem Arbeitsplatz nicht damit, von einem Kollegen heimlich vergiftet zu werden.
00:30:36: Hinzu kamen die außergewöhnlich planvolle Vorgehensweise.
00:30:39: Klaus hatte sich intensiv mit den Giftstoffen beschäftigt ihre Wirkungsweise recherchiert und sie gezielt eingesetzt.
00:30:48: Das Gericht sah darin also eine besonders hohe kriminelle Energie Besonders ins Gewichts viel aber auch das Klaus trotz der bereits eingetretenen schweren Folgen nicht von weiteren Taten absah.
00:31:00: Er lebte zum Teil selbst mit, wie sich der Gesundheitszustand seiner Kollegen dramatisch verschlechterte und vergiftete dennoch weiter.
00:31:10: Schließlich hat das Gericht die lebenslangen Folgen für alle drei Geschädigten berücksichtigt.
00:31:14: Jeder von ihnen wird die Auswirkungen der Taten dauerhaft tragen.
00:31:19: Friedrich wird niemals wieder ein selbstständiges Leben führen können aber auch Erik und Dustin müssen bis heute mit erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen leben.
00:31:28: Mal ganz abgesehen davon, dass sich die Gefahr von Krebserkrankungen als Spätfolge für beide Männer erhöht!
00:31:36: Und sie müssen ständig befürchten das sich ihr Gesundheitszustand weiter verstecht hat.
00:31:41: Mit der lebenslangen Freiheitsstrafe und der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld war das Urteil aber immer noch nicht vollständig.
00:31:48: Das Landgericht hat außerdem die Unterbringung von Klaus in der Sicherungsverwahrung angeordnet, Über die Sicherungsverwahrung haben wir übrigens schon ausführlich in unserer ersten Podcast-Folge gesprochen.
00:32:00: Ganz vereinfacht gesagt handelt es sich dabei nicht um eine Strafe, sondern um eine Maßregel der Besserung und Sicherung – sie dient allein dem Schutz der Allgemeinheit vor besonders gefährlichen Straftätern wenn die Voraussetzungen vorliegen an die eigentliche Freiheitsstrafe an.
00:32:19: Bevor ein Gericht die Sicherungsverwahrung anordnet, muss es sich außerdem regelmäßig ein sehr genaues Bild von der Persönlichkeit des Angeklagten machen.
00:32:28: Deshalb wurde in diesem Verfahren einem psychiatrischer Sachverständiger hinzugezogen – er sollte insbesondere die Persönlichkeit von Klaus und vor allem die Frage beurteilen ob von ihm auch künftig erhebliche Straftaten zu erwarten sind.
00:32:43: Warum hat das Landgericht die Sicherungsverbarung in diesem Fall angeordnet?
00:32:48: Also ausschlaggebend ist, dass das Gericht unter anderem auf Grundlage des psychiatrischen Gutachtens Klaus auch für die Zukunft als gefährlich eingestuft hat.
00:32:58: Es besteht aus Sicht des Gerichts der erhebliche Gefahr, dass Klaus nach einer Entlassung erneut schwerste Straftaten gegen das Leben oder die körperliche Unversehrtheit begehen könnte.
00:33:10: Dafür spricht vor allem die außergewöhnlich planvolle und über Jahre hinweg konsequent vorbereitete Tatserie.
00:33:18: Klaus hatte sich über einen langen Zeitraum mit hochgiftigen Stoffen beschäftigt, ein eigenes Labor eingerichtet, die Gifte selbst hergestellt und sie immer wieder gegen seine Arbeitskollegen eingesetzt – selbst als er die schweren Folgen seiner Taten mitbekam, hielt ihm das nicht davon ab weiterzumachen!
00:33:40: Das zeigt eine hohe kriminelle Energie.
00:33:43: Und zu berücksichtigen ist außerdem, dass viele Umstände die normalerweise gegen einen Rückfallgefahr sprechen – etwa eine feste Arbeitsstelle, ein stabiles familiäres Umfeld oder ein bis dahin strafloses Leben bei Klaus bereits während der Tatzeit vorhanden waren.
00:34:03: Trotzdem beging er die Taten!
00:34:05: Er gefährdete sogar seine Familie indem er mit hochgiftigen Chemikalien ohne sichere Schutzmaßnahme in den Keller, das gemeinsam mit seiner Frau und seinen zwei Kindern bewohnten Hauses experimentierte.
00:34:18: Das zeigt eine innere verwurzelte Bereitschaft zur Begehung von
00:34:24: Straftaten.".
00:34:29: Was mich an diesem Fall aber bis heute besonders beschäftigt ist, dass trotz dieses außergewöhnlich aufwendigen Strafverfahrens auf eine entscheidende Frage bis heute gar keine sichere Antwort gegeben werden kann.
00:34:43: Nämlich warum hat er das alles eigentlich getan?
00:34:46: Klaus hat sich während des gesamten Prozesses nicht zu den Vorwürfen geäußert.
00:34:51: Ein eindeutiges Motiv konnte deshalb nie festgestellt werden, der psychiatrische Sachverständige hatte allerdings den Eindruck dass es Klaus vor allem darum gegangen sein könnte die Wirkung der Gifte zu beobachten.
00:35:05: seine Äußerungen hätten auf ihn wie die eines Wissenschaftlers gewirkt, der ausprobieren wolle wie bestimmte Stoffe wirken allerdings nicht im Labor sondern an Menschen.
00:35:17: Auch die Staatsanwaltschaft vermutete dass Klaus seine Kollegen über einen langen Zeitraum leiden sehen wollte und sich an ihrem körperlichen Verfall regelrecht ergötzte.
00:35:27: sicher beweisen sie sich das aber letztlich nicht.
00:35:30: gerade diese fehlende Antwort macht den Fall bis heute so verstörend.
00:35:35: du selbst Arbeitest der in einer großen Strafkammer?
00:35:38: Wie fühlt sich das an, wenn man trotz Aufklärung des Fals niemals die Frage beantwortet bekommt, warum jemand eine Straftat begangen hat.
00:35:49: Das ist ein wenig unbefriedigend für mich.
00:35:51: tatsächlich also die ersten zwei drei Tage denke ich noch drüber nach weil auch das Tatmotiv ja ein Puzzleteil ist um dieses Gesamte zu sehen.
00:36:02: und Wenn man eine Tata am Ende aufgeklärt hat aber das Tarte Motiv im Unklagen bleibt, dann fehlt da für mich irgendwas.
00:36:11: Aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran, denn Taten lassen sich zwar aufklären, aber Motive können im Verborgenen bleiben und in diesem Beruf als Richter muss man damit am Ende klar kommen auch wenn es wie gesagt anfangs ein wenig unbefriedigend für mich
00:36:27: ist.".
00:36:27: Und man muss natürlich auch sagen, dass das gute Recht eines Angeklagten zu schweigen über das Motiv?
00:36:35: Ganz genau, also er kann sich einlassen.
00:36:38: Er muss es nicht.
00:36:39: Er kann sich teilweise einlassen und gewisse Dinge können einfach unklar bleiben.
00:36:44: Wie ging das Verfahren denn nach dem Urteil weiter?
00:36:48: Das Urteil des Landgerichts Bielefeld war zunächst noch nicht rechtskräftig.
00:36:53: Die Verteidigung legte Revision zum Bundesgerichtshof ein Denn sie war der Auffassung dass Klaus einfalls wegen Köpperverletzungsdelikten hätte verurteilt werden dürfen und beantragte deshalb eine Freiheitsstrafe von höchstens neun Jahren.
00:37:09: Der Bundesgerichtshof hat die Revision jedoch verworfen, er hat keine Rechtsviele im Urteil des Landgerichts festgestellt.
00:37:15: damit wurden die lebenslange Freiheitsstrafe die Feststellung der besonderen Schwere der Schulden auch die Sicherungsverwahrung rechtskräftig.
00:37:22: Das ist ein guter Zeitpunkt um einmal den Unterschied zwischen Berufung und Revision zu erklären.
00:37:28: Bei der Revision ist es so, dass der Fall nicht noch einmal komplett aufgerollt wird nur geprüft ob das Urteil unter Rechtsfehlern leidet.
00:37:36: Und bei der Berufung ist es eben anders.
00:37:38: Wird Berufung eingelegt dann wird der Fall nochmal neu verhandelt also können dann im Berufungsverfahren Zeugen und weitere Beweismittel erneut geprüfte werden.
00:37:49: Damit sind wir am Ende unserer Podcastfolge.
00:37:52: Ja, vielen Dank fürs Zuhören.
00:37:54: Wenn euch unser Podcast gefällt freuen wir uns sehr wenn ihr eine fünf Sterne Bewertung da lasst.
00:38:00: damit helft ihr uns noch mehr Menschen für den Blick hinter die Kulissen der Justiz zu begeistern
00:38:05: und wir freuen uns wenn ihr das nächste mal wieder dabei seid beim nächsten Fall beim nächsten Blick hinter Die Robe.
Neuer Kommentar